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BMWi korrigiert Windstromerzeugung für 2015 drastisch

Münster – Die Windstromerzeugung in Deutschland war im letzten Jahr so hoch wie noch nie. Das geht aus den bis Herbst 2016 veröffentlichten BMWi-Energiedaten hervor. In der jüngsten Veröffentlichung tauchen deutlich niedrigere Jahreswerte für den Windstrom auf. Eine Kommunikationspanne soll der Grund für die Korrektur sein. Vor allem der Zeitpunkt wirft Fragen auf.

In der im Jahr 2016 veröffentlichten BMWi-Publikation „Zeitreihen zur Entwicklung der Erneuerbaren Energien in Deutschland“ war für die Stromerzeugung aus Wind ein Wert von 88 Mrd. kWh angegeben. Irgendwann zwischen August und Ende Oktober 2016 wurden neue Zahlenwerte für den Windstrom veröffentlicht, die Stromerzeugung aus Wind aber drastisch nach unten korrigiert.

Windstromerzeugung in Deutschland 2015: rd. 9 Milliarden Kilowattstunden weniger

Wie jetzt aus der jüngsten BMWi-Veröffentlichung zur Entwicklung der erneuerbaren Energien (Datenstand: August 2016) hervorgeht, haben die Windenergieanlagen in Deutschland im Jahr 2015 anstatt 88 Mrd. kWh insgesamt rd. 79,2 Mrd. kWh Strom erzeugt. Das entspricht immer noch einem Anstieg um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2014: 57,4 Mrd. kWh), allerdings sind das 8,8 Mrd. kWh bzw. 10 Prozent weniger als vorher. Die Anpassungen entfallen dabei zum Großteil auf die Windenergie an Land, der Anteil beträgt nun 70,9 Mrd. kWh (zuvor: 79,3 Mrd. kWh). Mit den Offshore-Windkraftanlagen wurden im Jahr 2015 nach der Korrektur 8,3 Mrd. kWh (zuvor: 8,7 Mrd. kWh) Strom erzeugt.

Kommunikationspanne führte zu Überschätzung der Windstromerzeugung 2015

Die Berechnung der Windstromerzeugung basiert auf den Einspeisehochrechnungen der vier Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB). Auf Basis der ÜNB-Daten ermitteln der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) unterjährige Hochrechnungen der Windstrommenge, die sie an das Umweltbundesamt (UBA) übermitteln. Das UBA wiederum verwaltet die Statistiken der erneuerbaren Energien für das BMWi. In den vergangen Jahren ließ sich eine konstante Unterschätzung der ÜNB-Hochrechnungen gegenüber der EEG-Jahresendabrechnung feststellen, die im Rahmen der Auswertung durch BDEW und ZSW korrigiert wurde, wie das UBA auf Anfrage von IWR Online mitteilt. Diese Unterschätzung haben die ÜNB in ihren Ausgangsdaten im Laufe des Jahres 2015 aber nun von sich aus korrigiert. Doch diese Information darüber ging in der Kommunikationskette verloren, sodass die Korrektur doppelt vorgenommen wurde, so das UBA.

EEG-Umlage: Zeitpunkt und Kommunikation der Windstrom-Korrektur werfen Fragen auf

Die Höhe der EEG-Umlage sorgt jedes Jahr im Herbst für reichlich Strompreis-Diskussionen in Deutschland. Die EEG-Stromerzeugung ist nach der neuen Rechnung von 136 Mrd. kWh (2014) damit lediglich um 26 Mrd. kWh auf knapp 162 Mrd. kWh gestiegen. Die drastische Korrektur der Windstromerzeugung für 2015 und quasi Nicht-Kommunikation gibt damit jenen Verschwörungstheoretikern Aufwind, die in der „ohnehin politisch motivierten EEG-Anhebung 2017“ lediglich einen neuerlichen Versuch einer Torpedierung der Energiewende sehen.

© IWR, 2016