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Atomruine Fukushima - Milliarden Kosten auf Jahrzehnte

Münster – Sechs Jahre nach der Atomreaktor-Katastrophe von Fukushima in Japan ist immer noch nicht klar, wie teuer der atomare Supergau wird. Ende 2016 ist die Schätzung für die Kosten noch einmal drastisch angehoben worden, doch auch dieses Mal sind wohl noch nicht alle Faktoren berücksichtigt worden.

Ende 2016 hat Japan die Schätzung der direkten Kosten im Zusammenhang mit der Reaktor-Katastrophe von Fukushima noch einmal verdoppelt. Der Yen-Betrag bewegt sich längst im zweistelligen Billionen-Bereich. Auch für den Atomkraftwerks-Betreiber Tepco steigen die Kosten immer weiter an. Tepco kämpft derzeit vor allem mit vier Herausforderungen. Der ehemalige Premierminister von Japan zeigt auf, in welchem Zeitraum Japan den Atomausstieg schaffen kann.

Milliarden Kosten der Reaktor-Katastrophe auf Jahrzehnte - kein Ende der Folgekosten in Sicht

Eine Schätzung zu den direkten Kosten im Zusammenhang mit der Reaktor-Katastrophe wurde Ende 2016 auf 22 Billionen Yen, knapp 180 Milliarden Euro verdoppelt. Im Jahr 2013 lag die Schätzung zunächst noch bei "nur" 11 Billionen Yen (91 Mrd. Euro). Der bisher größte Kostenanstieg war Ende 2016 im Bereich des Rückbaus der Fukushima-Ruine zu verzeichnen. Die Kosten hierfür vervierfachten sich demnach bis jetzt von 2 auf 8 Billionen Yen (66 Mrd. Euro). Für den Betreiber Tepco werden inzwischen Verpflichtungen von knapp 16 Billionen Yen angesetzt (130 Mrd. Euro). Tepco ist aufgrund von Kredithilfen der japanischen Regierung in Milliardenhöhe faktisch verstaatlicht.

AKW-Betreiber Tepco kämpft an vier Fronten gleichzeitig

Derzeit arbeitet Tepco im Rahmen der Aufräumarbeiten in Fukushima vor allem an vier Fronten. So muss die Strahlung auf dem Gelände selbst verringert werden und das Einströmen des Grundwassers gestoppt werden. Das kontaminiserte Wasser wird in riesigen Behältern aufgefangen und gelagert. Des Weiteren ist noch nicht klar, wie die verbrauchten Brennstäbe aus den Reaktoren herausgeholt werden können, geschweige denn, wie der hochradioaktive, geschmolzene Brennstoff geborgen werden kann. So musste im Februar 2017 ein Robotereinsatz zur Erkundung des Inneren in der Atomruine abgebrochen werden, weil die radioaktive Strahlung so hoch war, dass selbst für die maschinellen Helfer die Strahlung zu viel war und die Roboter ausfielen.

Atomunfall von Fukushima sorgt für doppelte Kosten - Investitionen in die Energiewende und Kosten für Beseitigung des Atomunfalls

Am Unglückstag des 11. März 2011 war Naoto Kan Premierminister von Japan. Kan wurde im September 2011 abgewählt, seine Nachfolge trat der noch amtierende Shinzo Abe an. Kan strebte während seiner Amtszeit noch den Ausstieg aus der Kernenergie in Japan an. In einer Videobotschaft an die Schweiz erklärte er nun laut der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES), dass die Alpenrepublik die Energiewende rasch vorantreiben solle. Kan verwies dabei auch auf den Ausbau der erneuerbaren Energien in Japan, den er selbst unter anderem durch attraktive Solartarife angestoßen hatte. Kan hält es für realistisch, den früheren Atomstromanteil von 30 Prozent in Japan innerhalb von zehn Jahren durch regenerative Energien zu ersetzen. Ein Problem bleibt trotzdem: Japan investiert erhebliche Mittel in die Energiewende und muss gleichzeitig auf Jahrzehnte die gewaltigen Kosten für die Beseitigung der Folgen der Atomkatastrophe von Fukushima stemmen.

© IWR, 2017