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60.000 MW Offshore-Leistung: Stiftung stellt Potenzial-Studie vor

© Adobe Stock / Fotolia© Adobe Stock / FotoliaHannover - In einer aktuellen Studie im Auftrag der Stiftung Offshore-Windenergie wird das Potenzial für die Produktion von grünem Wasserstoff durch Offshore-Windenergieanlagen in Deutschland untersucht. Um die erheblichen Potentiale zu heben, müssten nach der Bundestagswahl die richtigen politischen Entscheidungen getroffen und regulatorischen Weichenstellungen gesetzt werden.

Die Stiftung Offshore-Windenergie hat erstmals eine Bedarfs- und Potentialanalyse zur Erzeugung von Grünem Wasserstoff durch Windenergie auf See in Deutschland veröffentlicht. Die Berechnungen zeigen, dass über 60.000 Megawatt (MW) (60 GW) installierbare Offshore-Leistung auf Basis des neuen Raumordnungsplans (ROP) möglich sind, wenn alle verfügbaren Möglichkeiten genutzt werden. Damit ließen sich auch erhebliche Mengen Grünen Wasserstoffs erzeugen.

Berechnungen auf Basis des gültigen maritimen Raumordnungsplans
Die von der Stiftung Offshore-Windenergie vorgestellte Studie „Erzeugung von Grünem Wasserstoff durch Windenergie auf See - Potential und Bedarf in Deutschland“ wurde durch die die Deutsche Windguard erstellt. Für die Analyse auf der Grundlage des gültigen maritimen Raumordnungsplans (ROP) wurden verschiedene Annahmen im Bereich der Einflussfaktoren auf Windpark- und Elektrolyseseite herangezogen. Dazu gehörten insbesondere die Leistungsdichte (installierte Megawatt / km2), Volllaststunden (Degression bei einem weiteren Offshore-Zubau) sowie Auslegung und Wirkungsgrad der Elektrolyseure. Darüber wurde als ein entscheidender Faktor die Flächenverfügbarkeit untersucht. Als Referenzpunkt zur Erstellung der zwei Szenarien („ROP Basis“, „ROP Plus“) wurde die seit dem 01. September gültige maritime Raumordnung gewählt.

Dabei bezieht das ROP Basis-Szenario alle Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für die Windenergie ein. Im Ergebnis lassen sich bei einer Leistungsdichte von 8 MW/ km2 (entsprechend den Annahmen im aktuellen Flächen-entwicklungsplan - FEP) Windenergieanlagen mit einer Gesamtnennleistung von rund 49.000 MW realisieren. Bei geringeren Leistungsdichten von 7 oder 6 MW/km2 verringert sich das Potenzial auf etwa 43.000 bzw. 37.000 MW. Beim ROP Plus-Szenario werden sämtliche für die Windenergie ausgewiesene Vorrang- und Vorbehaltsgebiete sowie bedingte Gebiete und das befristete Vorranggebiet in der Schifffahrtsroute 10 mit einbezogen. Bei einer Annahme von 8 MW/km2 Leistungsdichte werden auf dieser Grundlage bis zu rd. 61.000 MW installierbare Windenergieleistung ermittelt (bzw. 53.000 MW bei 7 MW/km2 und 46.000 MW bei 6 MW/km2). Beide Szenarien klammern Potenziale im Küstenmeer (2.000 MW) und in der Doggerbank (4.000 - 6.000 MW) aus.

Den Berechnungen zufolge könnten jährlich über 1,2 Millionen Tonnen Grüner Wasserstoff (bis zu 44,2 Terrawattstunden (TWh)) produziert werden, wenn die errechnete Windenergieleistung, die über den zur Stromerzeugung im Windenergie-auf-See-Gesetz verankerten 40.000 MW liegt, ausschließlich zur Wasserstofferzeugung genutzt würde. Zum Vergleich: Die Nationale Wasserstoffstrategie sieht bis 2035/40 ein Wasserstoffproduktionsziel von 28 TWh vor.

Politische Entscheidungen und regulatorische Weichenstellungen erforderlich
„Die Ergebnisse zeigen erstmalig eindrucksvoll das enorme Potential der Offshore-Windenergie in Kombination mit der Produktion von Grünem Wasserstoff für Deutschland“, so Stiftungsgeschäftsführerin Karina Würtz bei der Überreichung der Studie auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Hannover an den niedersächsischen Umwelt- und Energieminister Olaf Lies. „Neu genehmigte Offshore Windparks brauchen aktuell 6 Jahre bis zur Umsetzung - hier droht uns die Zeit davonzulaufen. Es braucht jetzt ambitionierte Vorgaben und eine Gleichzeitigkeit von Umsetzungsmaßnahmen. Mit der Studie wollen wir einen entsprechenden Anstoß geben“, appelliert Würtz für eine Anpassung der Rahmenbedingungen nach der Bundestagswahl.

Auch Minister Lies zeigte sich von den Studienergebnissen überzeugt: „Die Studie illustriert anschaulich, dass Offshore-Windenergie der Schlüsselfaktor zur Erreichung der Klimaziele ist“. Für Niedersachsen als Küstenland sei der Ausbau der offshore-basierten Wasserstofferzeugung in der Nordsee von hoher Bedeutung. Der so erzeugte Wasserstoff werde maßgeblich zur Dekarbonisierung der Stahl- und Chemieindustrie in Niedersachsen und darüber hinaus beitragen. „Aufgrund seiner Seehäfen sowie vorhandener Transport- und Speicherinfrastruktur bringt Niedersachsen alle Voraussetzungen für die Ansiedlung einer Wasserstoffwirtschaft mit“, so Lies mit Blick auf die wirtschaftlichen Potenziale.

Windenergie-Ausbau in Deutschland hinkt Klimazielen hinterher
Aktuell stockt der Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland allerdings. Die letzte Offshore-Windenergieanlage wurde im Jahr 2020 im Juli in Betrieb genommen, die Branche befindet sich in einer Ausbaulücke. Zwar hat der Ausbau der Onshore-Windenergie in Deutschland im Jahr 2021 angezogen, gleichwohl ist Deutschland auch in diesem Bereich mit Blick auf die anvisierten Klimaschutzziele nicht auf Kurs. Nach einer aktuellen IWR-Auswertung des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur liegt der Nettoausbau von Windenergieanlagen (Zubau abzgl. Rückbau) 2021 von Januar bis August bei einer Leistung von 1.056 MW. Das sind lediglich rd. 160 MW mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum (Jan - Aug 2020: 892 MW) (Stand: 20.09.2021).



© IWR, 2021


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23.09.2021

 



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