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Klimawandel: Wissenschaftler prüfen gigantischen Schutzdamm für Nordsee-Anrainer

© Groeskamp / Kjellsson© Groeskamp / KjellssonKiel – Angenommen, die Weltgemeinschaft schafft es nicht, die Klimaerwärmung langfristig zu stoppen. Kann ein gigantischer Damm, der die komplette Nordsee schützt, die Überflutung der Anrainerstaaten dann verhindern? Dieser Frage sind Wissenschaftler aus den Niederlanden und Deutschland nachgegangen.

Zwei Wissenschaftler vom Royal Netherlands Insitute for Sea Research aus den Niederlanden und vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel haben in einer Machbarkeitsstudie die Option eines gigantischen Schutzdamms untersucht, der die komplette Nordsee schützt und die Überflutung der Anrainerstaaten verhindert. Neben den technischen und finanziellen Anforderungen haben sie auch die Auswirkungen auf die Umwelt sowie sozio-ökonomische Effekt mit in Betracht gezogen.

Bau von Schutzdamm wirksamer als individueller staatlicher Küstenschutz
Für den Fall, dass es der internationalen Staatengemeinschaft nicht gelingt, die Emission von Treibhausgasen und damit die Erderwärmung auf lange Sicht substanziell einzudämmen, haben sich Wissenschaftler vom Royal Netherlands Insitute for Sea Research und vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel in einem Szenario mit dem Bau von gigantischen Schutzdämmen in der Nordsee befasst. Dabei gehen Sie davon aus, dass der Meeresspiegel aufgrund der voranschreitenden Klimaerwärmung bereits um einige Meter gestiegen ist, mit weiter steigender Tendenz. In ihren Analysen kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass der Bau eines riesigen Schutzdammbauwerks tatsächlich eine bessere Option sein könnte, als eine viel längere Küstenlinie weiter mit vielen Einzelprojekten gegen den gestiegenen Meeresspiegel zu verteidigen.

Im Kern geht es demnach um zwei Dämme, einen 161 km langen im Ärmelkanal im westlichen Bereich zwischen der Bretagne und Cornwall und einen zweiten, fast 500 km langen in der nördlichen Nordsee zwischen Schottland und Norwegen. Die mittlere Wassertiefe beträgt im Bereich des Damms im Ärmelkanal 85 Meter, in der nördlichen Nordsee 127 Meter mit einem Maximum von mehr als 320 Metern.

Baukosten von 250 bis 500 Milliarden Euro
Neben den gigantischen Materialmengen, die für die Aufschüttung solcher Dämme notwendig wären, würden auch noch Pumpwerke benötigt, die das aus den Flüssen des umschlossenen Gebietes kommende Wasser in den Atlantik pumpen. Hier kalkulieren die Autoren mit etwa 40.000 m3 / Sekunde. Die bisher leistungsfähigsten Pumpwerke in New Orleans und am Abschlussdamm des Ijsselmeeres in den Niederlanden liegen aktuell bei etwa 500 m3 / Sekunde.

Die Kosten beziffern die Autoren nach heutigen Maßstäben zwischen 250 und 500 Milliarden Euro, was bei einer Bauzeit von 20 Jahren Investitionen zwischen 0,07 – 0,16 Prozent des jährlichen Bruttosozialproduktes der 15 Anrainerstaaten bedeuten würde.

Dammbau wirtschaftlicher als individueller Küstenschutz
„Mal abgesehen von den technischen Herausforderungen eines solchen Vorhabens, würde dies natürlich auch massive Einschnitte für Fischerei- und Schifffahrtsindustrie, ganz zu schweigen von Einflüssen auf das marine Ökosystem der Nordsee und darüber hinaus haben“, so Prof. Joakim Kjellsson, Juniorprofessor in der Maritimen Meteorologie und Ko-Autor vom Geomar. Trotzdem könnte so ein System, wenn es überhaupt technisch realisierbar wäre, wirtschaftlicher sein, als individuelle Küstenschutzmaßnahmen in den 15 Anrainerstaaten.

Prof. Kjellson betont, dass sich die Wissenschaftler mit ihrer Analyse nicht für die Realisierung des Projektes aussprechen. Die beste Option bestehe nach wie vor darin, gegen den Klimawandel vorzugehen und zu verhindern, dass eine solche Lösung überhaupt notwendig werde, so Kjellsson. Es sei den Autoren auch darum gegangen, darzustellen, welche immensen Herausforderungen sich ergeben, wenn es in den kommenden Jahrzehnten nicht gelinge, den Klimawandel in den Griff zu bekommen. Dann müssten sich zukünftige Generationen mit Problemen dieser Größenordnung beschäftigen oder riesige Landstriche werden unbewohnbar und Millionen von Menschen müssten landeinwärts ziehen, so Kjellsson weiter.

Die Arbeit wurde jetzt im Bulletin of the American Meteorological Society (BAMS) veröffentlicht.


© IWR, 2020


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