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Studie: Kohleverstromung verbraucht Großteil von nationalem CO2-Budget

© Adobe Stock / Fotolia© Adobe Stock / FotoliaHamburg - Unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen in Deutschland mit einem geplanten Kohleausstieg bis 2038 würde ein Großteil des für Deutschland nach den Annahmen des Weltklimarates verbleibenden CO2-Budgets durch die Kohleverstromung verbraucht. Greenpeace Energy fordert eine Gegenreaktion von der Politik.

Fast die Hälfte der CO2-Menge, die Deutschland zur Einhaltung internationaler Klimaziele künftig maximal noch ausstoßen darf, würde nach heutigem Stand bis zum Jahr 2038 durch die Kohleverstromung verbraucht. Dieser Anteil könnte sogar auf über 70 Prozent steigen, sollte die Energiewende hierzulande ins Stocken geraten. Das zeigen Berechnungen des Analyseinstituts Energy Brainpool im Auftrag des Ökoenergie-Anbieters Greenpeace Energy.

Greenpeace Energy: Bundesregierung muss schneller aus der Kohle aussteigen
Der Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC) legt in seinem neuesten Bericht dar, dass ab 2020 weltweit nicht mehr als 400 Milliarden Tonnen CO2 (Mrd. t CO2) in die Atmosphäre gelangen dürfen. Nur dann ließe sich, mit einer Wahrscheinlichkeit von 67 Prozent, eine Erderhitzung von mehr als 1,5 Grad noch abwenden. Deutschland dürfte entsprechend seines Anteils an der Weltbevölkerung rund 1,1 Prozent, d.h. konservativ geschätzt maximal noch 4,4 Mrd. t des Klimagases emittieren, um dem globalen Klimaziel gerecht zu werden.

Um herauszufinden, wie groß der Anteil der künftigen deutschen Kohleverstromung an diesen Restmengen ist, hat Energy Brainpool die Emissionen aller hiesigen Braun- und Steinkohlekraftwerke stundenscharf modelliert. Dabei wurden der geltende Abschaltfahrplan des deutschen Kohleausstiegs sowie der geplante Ausbau Erneuerbarer Energien zugrunde gelegt. Zudem wurde eine langfristig gedämpfte CO2-Preisentwicklung auf etwas mehr als 40 Euro pro Tonne im Jahr 2038 angenommen. Im Ergebnis dürften die deutschen Kohlekraftwerke nach aktuellem Kohleausstiegs-Fahrplan und ohne weitere Klimaschutzmaßnahmen allein zwischen 2022 und 2038 noch rd. 2 Mrd. t CO2 ausstoßen. Das sind rd. 45 Prozent des für Deutschland verbleibenden CO2-Restportofolios von 4,4 Mrd. t.

„Es kann nicht sein, dass die Kohle einen großen Teil unseres ohnehin knappen Spielraums bei den noch möglichen Emissionen auffrisst. Eine Bundesregierung, die zu internationalen Klimazielen steht, muss deshalb schneller als geplant aus diesem schmutzigen Energieträger aussteigen und den Erneuerbaren-Ausbau massiv vorantreiben“, fordert Sönke Tangermann, Vorstand bei Greenpeace Energy. Andernfalls drohten in anderen Bereichen wie beim Reisen, bei Gebäuden oder der Landwirtschaft massive Einschnitte und Restriktionen.

Schnellerer EE-Ausbau erforderlich
Abseits der aktuell geltenden Rahmenbedingungen hat Energy Brainpool zwei Vergleichs-Szenarien modelliert mit einem steigenden CO2-Preis bzw. einem stagnierenden Ausbau erneuerbarer Energien sowie einer Verlängerung des Kohleausstiegs über 2038 hinaus.

Für den Fall, dass sich der zugrunde gelegte CO2-Preis auf mehr als 105 Euro pro Tonne verteuert, dürfte sich der Anteil der Kohle-Emissionen an der deutschen CO2-Restmenge auf immerhin 39 Prozent verringern, so Fabian Huneke von Energy Brainpool. Für das zweite Modellszenario warnt er: „Besorgniserregend ist die Größe des negativen Effekts, wenn der Ausbau der Windenergie wie in den vergangenen Jahren auf niedrigem Niveau bleibt, gleichzeitig weniger Solaranlagen gebaut werden und zusätzlich der Kohleausstieg über 2038 verlängert werden würde. Dann würde der CO2-Ausstoß aus Kohlekraftwerken hierzulande auf 3,24 Mrd. t anschwellen - und damit fast drei Viertel des noch vorhandenen deutschen Verschmutzungs-Restbudgets ausmachen.


© IWR, 2021


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17.08.2021

 



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