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Prognose der AG Energiebilanzen: Energieverbrauch erreicht 2023 Rekordtief

© Adobe Stock / Fotolia© Adobe Stock / FotoliaBerlin - Der Energieverbrauch in Deutschland wird 2023 nach einer Prognose der AG Energiebilanzen (AGEB) voraussichtlich auf ein Rekordtief fallen. Wichtigste Ursache dafür ist laut AGEB die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Es gibt aber weitere Gründe.

Die AG Energiebilanzen hat auf der Grundlage von vorliegenden Daten des laufenden Jahres (Jan-Sept 2023) eine Jahresprognose für den Energieverbrauch erstellt. Demnach ist 2023 ein Rückgang des Energieverbrauchs gegenüber dem Vorjahr um knapp 8 Prozent auf 10.784 Petajoule (PJ) oder 367,9 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten (Mio. t SKE) zu erwarten. Damit läge der Verbrauch um knapp 28 Prozent unter dem bisherigen Höchststand des Jahres 1990 (14.905 PJ).

Schrumpfende Wirtschaft eine Ursache für sinkenden Energieverbrauch
Der Energieverbrauch in Deutschland wird 2023 laut AGEB insbesondere von der wirtschaftlichen Entwicklung geprägt. Die diesjährige wirtschaftliche Leistung könnte in der Größenordnung von 0,5 Prozent zurückgehen. Vor allem die energieintensiven Industriezweige verzeichnen Produktionsrückgänge, was nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft spürbare Auswirkungen auf den Energieverbrauch hat.

Einen energieverbrauchssenkenden Effekt auf den Bedarf an Raumwärme hatte zudem bisher die gegenüber dem Vorjahr wärmere Witterung. Nach Berechnungen der AGEB dürften von der gesamten prozentualen Verbrauchsminderung etwa ein Fünftel witterungsbedingt gewesen sein.

Ein weiterer verbrauchssenkender Effekt ergibt sich aus dem Energiepreisniveau. Zwar sind die Einfuhrpreise für die wichtigsten Importenergien im Jahresverlauf deutlich gesunken; die Preise liegen dennoch weiterhin deutlich über dem Niveau von 2021. Wie die Entwicklung zeigt, geht von den vergleichsweise hohen Preisen ein Anreiz zu Einsparungen und Substitutionen aus. So ist im Gewerbesektor ein steigender Eigenverbrauch bei großen PV-Anlagen in Kombination mit Batteriespeichern zu verzeichnen. Bei Privathaushalten hat zudem der Eigenverbrauch von PV-Strom im Zuge des Booms von Balkonkraftwerken und Dachanlagen weiter zugenommen. Gewerbebetriebe optimieren ihre Energieverbräuche durch ein besseres Energiemanagement.

Ein verbrauchssteigernder Effekt geht dagegen von der demographischen Entwicklung aus. Ein migrationsbedingter Zuzug von 1,35 Millionen Menschen führte zu einem Anstieg des Energieverbrauchs in einer Größenordnung von etwa 200 PJ, so die AG Energiebilanzen.

Prognosegrundlage: Die Entwicklung des Energieverbrauchs in den ersten drei Quartalen
Nach vorläufigen Berechnungen der AGEB lag der Energieverbrauch in Deutschland in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres mit 7.813 PJ bzw. 266,6 Mio. t. SKE um 9 Prozent unter der Vorjahresperiode.

Dabei sank der Verbrauch von Mineralöl in den ersten drei Quartalen 2023 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,1 Prozent auf 2.860 PJ (97,6 Mio. t SKE). Während der Verbrauch von Ottokraftstoff um mehr als 3 Prozent zunahm, ging der Dieselverbrauch um gut 3 Prozent zurück, der Verbrauch von Flugkraftstoff stieg um 5 Prozent. Der Absatz von leichtem Heizöl ging um 3 Prozent zurück.

Beim Erdgas lag der Rückgang in den ersten drei Quartalen 2023 bei 7,2 Prozent auf 1.838 PJ (62,7 Mio. t SKE). Der Verbrauch an Steinkohle nahm von Januar bis September 2023 um 19,1 Prozent auf 678 PJ (23,1 Mio. t SKE) ab. Besonderen Einfluss hatte dabei die um gut 35 Prozent rückläufige Stromerzeugung aus Steinkohle. Im gleichen Zeitraum ging der Primärenergieverbrauch von Braunkohle um 23,4 Prozent auf 663 PJ (22,6 Mio. t SKE) zurück. Dieser Rückgang entspricht nach Angaben der AGEB im Wesentlichen den verminderten Lieferungen an die Kraftwerke der allgemeinen Versorgung. Die Stromerzeugung aus Kernenergie fällt in den ersten drei Quartalen 2023 aufgrund des Streckbetriebs der letzten drei AKW und deren endgültiger Stilllegung um 72 Prozent niedriger aus als im Vorjahreszeitraum.

In den ersten neun Monaten des Jahres wurden 9,7 Mrd. kWh Strom mehr aus dem Ausland importiert als exportiert. Bis zum Mai des laufenden Jahres verzeichnete der Stromaußenhandelssaldo einen deutlichen Exportüberschuss, seither wird im Saldo mehr importiert.

Der Beitrag der erneuerbaren Energien lag in den ersten neuen Monaten bei 1.516 PJ (51,7 Mio. t SKE), was in etwa dem Vorjahreswert entspricht. Während die Stromerzeugung aus Wind um 3 Prozent zulegen konnte, ist bei der Solarenergie ein leichtes Minus von 1 Prozent zu verzeichnen. Die Stromerzeugung aus Wasserkraft erhöhte sich um 14 Prozent. Die Biomasse blieb laut AGEB um 3 Prozent hinter dem Vorjahreswert zurück.

Energiebedingte CO2-Emissionen könnten 2023 um fast 11 Prozent sinken
Die energiebedingten CO2-Emissionen nahmen nach Schätzung der AG Energiebilanzen in den ersten drei Quartalen des Jahres 2023 infolge des gesunkenen Gesamtverbrauchs insbesondere bei den fossilen Energieträgern um rund 11 Prozent ab. Dies entspricht einer Reduktion in der Größenordnung von 55 Mio. t. Für das Gesamtjahr 2023 rechnet die AG Energiebilanzen mit einer Abnahme der energiebedingten CO2-Emissionen um 10,7 Prozent, was in etwa 65 Mio. t entspricht.

© IWR, 2023


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02.11.2023

 



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