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Studie zeigt Milliardenrisiko bei Gas: Neue Gaskraftwerke treiben Stromkosten auf bis zu 67 Cent/kWh

© Adobe Stock© Adobe StockHamburg - Die Bundesregierung plant neue Gaskraftwerke für die Versorgungssicherheit und setzt damit auf eine der teuersten möglichen Optionen. Das zeigt eine neue Studie im Auftrag von Green Planet Energy. Entgegen der Darstellung als kostengünstiges Back-up ist Erdgas politisch hochriskant und Klimaschäden bleiben in den Kostenrechnungen außen vor.

Eine aktuelle Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag von Green Planet Energy warnt vor den volkswirtschaftlichen Risiken durch den geplanten Neubau von Gaskraftwerken. Diese könnten Stromkosten von bis zu 67 Cent je Kilowattstunde verursachen. Reine Gestehungskosten liegen zwischen 23 und 28 Cent/kWh. Zusätzliche Klimaschäden und Subventionen belasten Gesellschaft und künftige Generationen. Im Vergleich bleiben Wind- und Solarstrom unter 10 Cent/kWh.

Gesellschaftliche Kosten übersteigen Stromgestehungskosten deutlich
Die geplanten neuen Gaskraftwerke der Bundesregierung sind nach den Ergebnissen der FÖS-Studie „Teure Option für die Versorgungssicherheit: Die wahren Kosten von Strom aus Erdgas“ eine der teuersten Optionen für die Stromversorgung. Während die reinen Stromgestehungskosten je nach CO2-Preis zwischen 23 und 28 Cent pro Kilowattstunde liegen, steigen die gesamtgesellschaftlichen Kosten auf bis zu 67 Cent/kWh. Zum Vergleich: Strom aus neuen Wind und Solaranlagen liegt bei unter zehn Cent/kWh.

„Neue Gaskraftwerke rechnen sich nur mit Milliarden-Subventionen, die am Ende die Stromkund:innen zahlen, und mit Klimakosten, die künftige Generationen tragen müssen“, erklärt Sönke Tangermann, Vorstand von Green Planet Energy.

Bild: Was Strom aus neuen Gaskraftwerken wirklich kostet © Green Planet Energy


Die zusätzlichen Kosten entstehen durch Klimaschäden, staatliche Subventionen und langfristige Abhängigkeiten von fossilen Importen. Allein die im ersten Schritt geplanten 10 Gigawatt an Gaskraftwerken erfordern Fördermittel von rund 6,6 Milliarden Euro, so das FÖS. Florian Zerzawy, Hauptautor der Studie und Leiter Energiepolitik beim FÖS, ergänzt: „Schon heute wird Erdgas in Deutschland umfangreich staatlich subventioniert, von milliardenschweren Zuschüssen für Gasspeicher und LNG-Terminals bis zur Steuerbefreiung bei der Stromerzeugung. Diese Förderung senkt künstlich die Kosten von Gasstrom und verzerrt den Wettbewerb zulasten erneuerbarer Alternativen”.

Über die Lebensdauer eines Gaskraftwerks verursacht Erdgas bis zu 8,4 Millionen Tonnen CO2 sowie Klimaschäden von bis zu 7 Milliarden Euro. Ein Großteil der Methanemissionen fällt im Ausland an und bleibt in der deutschen Bilanz unberücksichtigt. Je nach Herkunft und Transportweg kann Gas somit sogar klimaschädlicher sein als Kohle.

Fossile Abhängigkeit als Kosten- und Sicherheitsrisiko
Die Studie macht deutlich, dass Erdgas auch kurzfristig ein Risiko für die Versorgungssicherheit darstellt. Preissprünge durch geopolitische Krisen, wie etwa der Krieg im Iran, lassen die Stromgestehungskosten von Gas kurzfristig auf bis zu 53 Cent/kWh steigen – Klimaschäden noch nicht eingerechnet.

Green Planet Energy plädiert daher für eine technologieoffene Energiewende: „Die Bundesregierung setzt einseitig auf Erdgas als Back-up. Dabei lässt sich Versorgungssicherheit auch mit erneuerbaren Alternativen erreichen: Speicher, Bioenergie und grüner Wasserstoff sind ähnlich teuer oder sogar günstiger - und nicht den geopolitischen Preissprüngen ausgesetzt, die Öl und Gas immer wieder verteuern“, so Tangermann.

Die Studie empfiehlt eine energiepolitische Kurskorrektur: verlässliche Investitionsbedingungen für erneuerbare Energien, konsequenter Netzausbau und flexible Speicherlösungen. „Die Energiewende ist nicht das Problem, sondern die Antwort: Sie schützt vor Energie- und Preiskrisen und macht uns unabhängiger von fossilen Importen“, fasst Tangermann zusammen.

Erneuerbare Back-ups könnten nicht nur Kosten senken, sondern auch die Klimaziele Deutschlands unterstützen und die Abhängigkeit von fossilen Importen deutlich reduzieren - ein strategischer Vorteil in einer zunehmend volatilen Energiemarktlandschaft.


© IWR, 2026


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10.03.2026

 



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