Januar bis Juli 2026: Windenergie-Zubau in Deutschland zieht kräftig an – Photovoltaik bleibt stabil
© Adobe StockMünster – Der Ausbau der Windenergie in Deutschland hat sich in den ersten sieben Monaten 2026 gestützt durch den Offshore-Ausbau weiter beschleunigt. Bei der Photovoltaik sind die Neuinbetriebnahmen gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich gesunken, während die Leistung stabil geblieben ist. Das zeigen aktuelle Daten aus dem Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur (BNetzA).
Von Januar bis Juli 2026 wurden in Deutschland 587 neue Windkraftanlagen mit einer Leistung von 3.948 MW in Betrieb genommen (Vorjahr: 484 Anlagen, 2.584 MW). Bezogen auf die Leistung der Anlagen entspricht das einem Plus von 53 Prozent. Bei der Photovoltaik sind 484.530 neue Anlagen mit 9.572 MW ans Netz gegangen (Vorjahr: 581.765 Anlagen, 9.464 MW). Das ist bei der Anlagenzahl zwar ein deutlicher Rückgang von fast 17 Prozent, in Bezug auf die Leistung resultiert ein leichtes Plus von 1 Prozent.
Offshore-Windausbau nimmt weiter Fahrt auf
Den größten Wachstumsimpuls liefert weiterhin der Offshore-Bereich: Während im Vorjahreszeitraum keine neuen Offshore-Windkraftanlagen ans Netz gegangen sind, wurden von Januar bis Juli 2026 bereits 92 Offshore-Turbinen mit einer Leistung von rund 1.194 MW neu in Betrieb genommen, überwiegend in den Windparks Borkum Riffgrund 3 und EnBW He Dreiht sowie zwei Anlagen im Windpark Nordseecluster 1.
Im Unterschied zur Onshore-Windenergie, wo einzelne Windturbinen vergleichsweise schnell errichtet werden können, erfolgt der Zubau auf See aufgrund der langen Planungs- und Bauzeit der Projekte eher in größeren Schüben als kontinuierlich über das Jahr verteilt.
Im Onshore-Bereich liegen die Neuinbetriebnahmen mit 495 Anlagen mit einer Leistung von 2.755 MW bezogen auf die Leistung bei einem Plus von rund 7 Prozent (Vorjahr: 484 Anlagen, 2.584 MW). Gleichzeitig stieg der Rückbau auf 496 MW beziehungsweise 345 Anlagen (Vorjahr: 393 MW, 264 Anlagen). Der Nettozubau (Saldo) lag damit bei 150 Anlagen und 2.258 MW (Vorjahr: 220 Anlagen, 2.191 MW), was in Bezug auf die Leistung einem Plus von rund 3 Prozent entspricht. In dieser Entwicklung spiegelt sich die wachsende Bedeutung des Repowerings wider, bei dem kleinere Bestands-Windturbinen durch weniger, aber leistungsstärkere Neuanlagen ersetzt werden.
In der regionalen Differenzierung nach Bundesländern führen Niedersachsen mit 633 MW (Vorjahreszeitraum 558 MW), Nordrhein-Westfalen mit 585 MW (Vorjahr: 686 MW) und Schleswig-Holstein mit 415 MW (Vorjahr: 421 MW). Zusammen entfallen auf diese drei Bundesländer rund 59 Prozent der neu installierten Onshore-Leistung. Deutlich zugelegt haben Mecklenburg-Vorpommern mit 278 MW neu installierter Leistung (Vorjahreszeitraum: 57 MW) und Baden-Württemberg (169 MW nach 59 MW).
Photovoltaik-Zubau lässt bei Anlagenzahl deutlich nach, Leistung bleibt stabil
Bei der Photovoltaik zeigt sich ein differenziertes Bild: Die Zahl neu installierter Anlagen sank von 581.765 im Vorjahreszeitraum um rund 17 Prozent auf 484.530 in den ersten sieben Monaten. Die neu installierte Leistung blieb mit 9.572 MW dagegen nahezu stabil (Vorjahr: 9.464 MW), ein leichtes Plus von rund 1 Prozent.
Der Rückgang bei der Anlagenzahl betrifft vor allem kleinere Anlagen und dürfte auch mit dem seit Februar 2026 geltenden Solarspitzengesetz (§ 8a EEG) zusammenhängen. Demnach können Netzbetreiber bei fehlender Netzkapazität eine Anschlusszusage mit Nulleinspeisung anbieten, statt den Anschluss ganz zu verweigern. Betroffen sind vor allem Süddeutschland und ländliche, schwach ausgebaute Netzgebiete. Perspektivisch könnte sich der Rückgang ab dem kommenden Jahr durch die von der Bundesregierung geplante Streichung der EEG-Vergütung für Kleinanlagen noch verstärken.
Das trotz deutlich sinkender Anlagenzahl in den ersten sieben Monaten stabile Leistungsniveau deutet zugleich auf einen wachsenden Anteil größerer Anlagen am Zubau hin. Unter Berücksichtigung des Rückbaus von 108 MW (21.401 Anlagen) verbleibt ein Saldo von 9.464 MW beziehungsweise 463.129 Anlagen (Vorjahreszeitraum: Rückbau 56 MW/15.339 Anlagen, Saldo 9.408 MW/566.426 Anlagen).
Ausblick: Wind und Solar bestimmen den Erneuerbaren-Ausbau
Unter dem Strich liegt der gemeinsame Saldo aus Wind und Photovoltaik in den ersten sieben Monaten 2026 bei rund 12.916 MW und damit über dem Vorjahreswert von 11.600 MW. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht das einem Plus von gut 11 Prozent. Sowohl die Windenergie als auch die Photovoltaik liegen damit bei der Leistung über dem Vorjahreszeitraum.
Hinweis: Die Daten basieren auf einer IWR-Auswertung der Daten des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur (Datenstand bis: 31.07.2026, Letzte Aktualisierung: 09.08.2026). Die Daten sind vorläufig und stellen wegen der Dynamik lediglich eine Momentaufnahme dar. Grund dafür ist, dass es zu zahlreichen Nach- und Ummeldungen sowie Korrekturen (auch rückwirkend) in den Statistiken kommt. Die Unschärfen führen jedoch nicht zu Änderungen an den Trendaussagen.
© IWR, 2026
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