Europas Windmarkt steuert auf Rekordjahr zu – Genehmigungen bleiben zentrale Herausforderung
© NordexHamburg – Europas Windmarkt steuert auf ein Rekordjahr beim Zubau zu, während sich die Genehmigungsvolumen in den einzelnen Märkten unterschiedlich entwickeln. In diesem Marktumfeld hat die Nordex Group neue Aufträge aus der Türkei sowie aus Süd-, Mittel- und Osteuropa erhalten.
Europa hat im ersten Halbjahr 2026 Windenergieanlagen mit 8,8 Gigawatt (GW) Leistung zugebaut, 30 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Windenergieverband WindEurope erwartet für das Gesamtjahr rund 24 GW und sieht Europa auf dem Weg zu einem dauerhaften jährlichen Zubau von 30 GW in den 2030er-Jahren. Zugleich sieht WindEurope in teils rückläufigen Genehmigungsvolumen ein zentrales strukturelles Problem.
Nordex sichert sich in der Türkei Aufträge über 389 MW
Nordex hat in der Türkei in den vergangenen Septemberwochen mehrere Aufträge über insgesamt 389 Megawatt (MW) erhalten. Die Verträge umfassen die Lieferung und Errichtung von 56 Windenergieanlagen der Delta4000-Serie. Zu jedem Vertrag gehört ein mehrjähriger Service- und Wartungsvertrag. Errichtung und Inbetriebnahme sollen schrittweise von 2027 bis 2028 erfolgen. Kunden und Projekte nennt Nordex nicht.
„Diese neuen Aufträge unterstreichen das anhaltende Vertrauen unserer Kunden in Nordex und stärken unsere marktführende Position in der Türkei, einem unserer Schlüsselmärkte“, sagt Ender Özatay, Vice President Region Türkiye and Middle East der Nordex Group.
Nach der Europa-Statistik von WindEurope, die auch die Türkei erfasst, wurden in der Türkei im ersten Halbjahr 2026 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 297 MW neu installiert. Der Bestand liegt Ende Juni bei 16.232 MW. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet WindEurope einen Zubau von 1.900 MW. Für den Zeitraum 2026 bis 2030 prognostiziert der Verband zudem einen Onshore-Zubau von 10,9 GW.
Nordex erhält weitere 228 MW in Süd-, Mittel- und Osteuropa
Ende September hat Nordex zudem weitere Aufträge zur Lieferung und Errichtung von insgesamt 35 Windenergieanlagen in mehreren europäischen Ländern erhalten. Die Anlagen der Typen N175/6.X, N163/6.X und N149/4.X haben laut Nordex zusammen eine Leistung von rund 228 MW. Die Verträge umfassen Serviceleistungen mit Laufzeiten von bis zu 25 Jahren. Kunden und Projekte nennt Nordex auch für diese Aufträge nicht.
Ein Teil der Turbinen wird in der Kaltklima-Ausführung geliefert und mit dem Nordex Advanced Anti-Icing System (AIS) ausgestattet. Das System ermöglicht den Weiterbetrieb bei Vereisungsbedingungen und reduziert nach Nordex-Angaben mögliche Produktionsverluste um bis zu 80 Prozent.
Europa: Turbinenbestellungen gehen um 12 Prozent zurück
Laut WindEurope sind im ersten Halbjahr 2026 europaweit feste Bestellungen für Windturbinen mit einer Leistung von 10,6 GW eingegangen. Das sind 12 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2025. Auf Onshore-Turbinen entfallen 7,8 GW, auf Offshore-Turbinen 2,8 GW.
Bei den Genehmigungen zeigt sich ein unterschiedliches Bild. Deutschland hat im ersten Halbjahr Genehmigungen für mehr als 9 GW Windenergie an Land erteilt und führt damit die Rangliste der von WindEurope beobachteten Märkte an. In Spanien ist das Genehmigungsvolumen dagegen zurückgegangen auf 309 MW nach 646 MW im ersten Halbjahr 2025. Auch in Großbritannien sind die Genehmigungen auf 265 MW zurückgegangen, nach 819 MW im Vorjahreszeitraum. Frankreich kommt auf 743 MW nach 840 MW, Irland auf 311 MW nach 481 MW und Italien auf 505 MW nach 538 MW.
Windausbau in Europa: Genehmigungsregeln, Netzpaket und 2040-Ziel im Fokus
WindEurope empfiehlt der EU und den nationalen Regierungen mit Blick auf den weiteren Windenergieausbau in Europa fünf Entscheidungen. Dazu gehören die endgültige Einigung auf EU-Genehmigungsregeln und deren Umsetzung, der Abschluss des EU-Netzpakets sowie eine stärkere Lenkung von ETS-Einnahmen in die Elektrifizierung der Industrie. Zudem schlägt der Verband ein verbindliches Erneuerbare-Energien-Ziel für 2040 und ein Ende weiterer Experimente beim Auktionsdesign zugunsten zweiseitiger Differenzverträge vor.
WindEurope-CEO Tinne Van der Straeten sagt: „Regierungsentscheidungen zu Genehmigungen, Auktionen, Netzen und Elektrifizierung in den kommenden Monaten werden diesen Schwung entweder sichern oder zunichtemachen.“
© IWR, 2026
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