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Fossile Abhängigkeit treibt Preise: Große Mehrheit für mehr Unabhängigkeit – Elektrifizierung bietet Milliardeneinsparpotenzial

© Adobe Stock© Adobe StockHamburg – Die deutsche Energieversorgung ist trotz des Ausbaus erneuerbarer Energien weiter stark von Importen fossiler Energieträger abhängig. Eine große Mehrheit der Menschen in Deutschland hält mehr Unabhängigkeit von Energieimporten für wichtig. Das zeigt eine Civey-Umfrage im Auftrag von Green Planet Energy.

Geopolitische Krisen können die Preise importierter Energieträger stark erhöhen. Nach Daten des Statistischen Bundesamts haben sich Energieimporte infolge des Kriegs im Nahen Osten deutlich verteuert. Verbraucher spüren die Preissteigerungen insbesondere bei Kraftstoffen und Heizöl. Auch der Energiekonzern Vattenfall warnt vor den Inflationsrisiken durch diese Abhängigkeit und fordert eine schnellere Elektrifizierung.

Importunabhängigkeit: 88 Prozent der Befragten halten sie für wichtig
Green Planet Energy, nach eigenen Angaben mit mehr als 50.000 Mitgliedern Deutschlands größte Energiegenossenschaft, hat beim Meinungsforschungsinstitut Civey eine repräsentative Umfrage zu aktuellen energiepolitischen Entwicklungen in Auftrag gegeben. Das Institut befragte in einer repräsentativen Umfrage vom 5. bis 6. Oktober 2026 online 5.000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ab 18 Jahren.

Demnach halten es 88 Prozent der Umfrageteilnehmer für wichtig, dass Deutschland bei der Energieversorgung möglichst unabhängig von Energieimporten wird, 64 Prozent sogar für sehr wichtig.

„Wind und Sonne müssen wir nicht importieren. Genau deshalb sind Erneuerbare nicht nur Klimaschutz, sondern auch ein Stück Unabhängigkeitspolitik“, sagt Sönke Tangermann, Vorstand bei Green Planet Energy.

Politik: EEG-Novelle und Netzpaket im Bundestag
Green Planet Energy fordert den Bundestag auf, die Energiewende fortzusetzen, statt mit dem geplanten Netzpaket neue Risiken für Wind- und Solarprojekte zu schaffen.

Seit der ersten Lesung am 24. September 2026 berät der Bundestag die vom Bundeskabinett beschlossenen Entwürfe zu EEG-Novelle und Netzpaket. Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie hat am 5. Oktober zur EEG-Novelle und am 7. Oktober zum Netzpaket Sachverständige angehört.

Mit der EEG-Novelle will die Bundesregierung die bisherige feste Einspeisevergütung für Neuanlagen abschaffen und die Direktvermarktung ausweiten. Mit dem Netzpaket sollen neue Wind- und Solarparks in kapazitätslimitierten Netzgebieten unter einem begrenzten Entschädigungsverzicht bei netzbedingten Abregelungen angeschlossen werden.

Vorstand Sönke Tangermann warnt: „Durch den Kurswechsel der Bundesregierung droht ein fossiler Backlash. Wer heute neue Risiken für Erneuerbare schafft, gefährdet Investitionen, industrielle Wertschöpfung und zukunftsfähige Jobs in Deutschland.“

Importabhängigkeit: Vattenfall und EU-Kommission setzen auf Elektrifizierung
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lag die Inflationsrate im September 2026 bei 3,3 Prozent, dem höchsten Wert seit Dezember 2023. Energieprodukte verteuerten sich insgesamt gegenüber dem Vorjahresmonat um 14,9 Prozent, Kraftstoffe um 37,1 Prozent und leichtes Heizöl um 74,9 Prozent. Strom war dagegen um 5,5 Prozent und Erdgas ohne Betriebskosten um 2,8 Prozent günstiger.

Auch Vattenfall betont die Bedeutung einer geringeren Importabhängigkeit. Nach Angaben des Unternehmens vom 28. September 2026 war der europäische Erdgas-Terminpreis (TTF-Frontjahr) seit Ende August um rund ein Fünftel gestiegen und hatte zeitweise den höchsten Stand seit Anfang 2023 erreicht. „Solange wir fossile Energieträger importieren müssen, importieren wir auch geopolitische Risiken und deren Auswirkungen auf die Preise“, sagt Vattenfall-Deutschlandchef Robert Zurawski.

Deutschland deckte 2024 nach Eurostat 67 Prozent seines Energiebedarfs durch Nettoimporte, im EU-Durchschnitt waren es 57 Prozent. Öl und Ölprodukte sowie Erdgas machten 2024 zusammen 91 Prozent der EU-Energieimporte aus. Die EU-Kommission beziffert die EU-Ausgaben für fossile Importe 2025 auf rund 340 Milliarden Euro und will mit AccelerateEU fossile Energieträger schneller durch heimische saubere Energie ersetzen. In Deutschland lag der Wert der Nettoimporte fossiler Brennstoffe nach Berechnungen von KfW Research von 2008 bis 2024 im Durchschnitt bei rund 81 Milliarden Euro jährlich. Das entspricht fast 1.000 Euro je Einwohner und Jahr.

Vattenfall fordert einen schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien sowie von Stromnetzen und Speichern. Nach Einschätzung des Konzerns ließen sich bei einem um ein Viertel geringeren fossilen Energiebedarf Deutschlands und gleichbleibenden Preisen rund 20 Milliarden Euro jährlich an Importausgaben vermeiden. Vattenfall investiert nach eigenen Angaben unter anderem in Offshore-Windenergie, Batteriespeicher und Pumpspeicherkraftwerke.

© IWR, 2026


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13.10.2026

 



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