Großauftrag für Fluence: Vattenfall vergibt 4-Stunden-Großspeicher am AKW-Standort in Brunsbüttel - Inbetriebnahme 2028 geplant
© FluenceBrunsbüttel - Vattenfall hat den US-amerikanischen Batteriespeicheranbieter Fluence mit der schlüsselfertigen Errichtung eines Großbatteriespeichers mit 254 MW Leistung und mehr als 1.000 MWh Kapazität in Brunsbüttel beauftragt. Der auf rund vier Stunden Speicherdauer ausgelegte Speicher soll Ende 2028 in Betrieb gehen.
Mit dem Ausbau großer Batteriespeicher wächst der Markt für Speichertechnologie, Systemintegration und langfristige Betriebsdienstleistungen. Fluence verzeichnet steigende Auftragsbestände für Speichersysteme und Serviceleistungen. Gleichzeitig gewinnen unterschiedliche Einsatzgebiete und Speicherdauern an Bedeutung: Neben der zeitlichen Verschiebung größerer Strommengen spielt die Stabilisierung des Stromsystems eine wichtige Rolle.
Fluence liefert Batteriespeicher mit mehr als 1.000 MWh Kapazität
Der Speicher von Vattenfall entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Brunsbüttel in Schleswig-Holstein, das derzeit zurückgebaut wird. Der Energiekonzern traf die endgültige Investitionsentscheidung im September 2026. Die Bauarbeiten sollen 2027 beginnen.
Fluence übernimmt Planung, Beschaffung, Errichtung und Inbetriebnahme sowie langfristige Serviceleistungen. Zum Einsatz kommt die Plattform Gridstack Pro 5000 mit Batteriesystemen, Leistungselektronik und Energiemanagementsystem. Die Anbindung an das 380-kV-Übertragungsnetz von 50Hertz ist über ein neues Umspannwerk vorgesehen.
Ende 2025 hatte Vattenfall bei einer Leistung von 254 MW für das Projekt noch eine Speicherkapazität von 700 MWh vorgesehen. Mit der inzwischen auf mehr als 1.000 MWh erhöhten Kapazität steigt die rechnerische Speicherdauer von knapp drei auf rund vier Stunden. Vattenfalls eigenes Batteriespeicherportfolio umfasst nach Unternehmensangaben 270 MW, davon 150 MW in Betrieb und 120 MW im Bau. Mit Brunsbüttel würde es sich auf rund 524 MW nahezu verdoppeln.
Fluence baut Auftragsbestand für Batteriespeicher und Serviceleistungen aus
Der weltweite Auftragsbestand von Fluence für Batteriespeichersysteme belief sich zum 30. Juni 2026 auf 12,6 GW. Ein Jahr zuvor waren es noch 8,2 GW. Damit verzeichnete der US-Anbieter einen Zuwachs von rund 54 Prozent. Der Auftragsbestand für langfristige Serviceleistungen für Batteriespeicher stieg im gleichen Zeitraum von 4,9 auf 7,9 GW, ein Plus von rund 61 Prozent. Die bereits betreute Speicherleistung erhöhte sich von 5,5 auf 6,3 GW.
Trotz des wachsenden Auftragsbestands steht Fluence unter Ergebnisdruck. Im dritten Geschäftsquartal 2026 verzeichnete das Unternehmen einen Nettoverlust von 44,3 Mio. US-Dollar nach einem Gewinn von 6,9 Mio. US-Dollar im Vorjahresquartal und senkte seine Jahresprognose.
Vattenfall und Fluence arbeiten nach Unternehmensangaben inzwischen bei acht Batteriespeicherprojekten in drei europäischen Ländern zusammen. In Deutschland hat Fluence nach eigenen Angaben mehr als 20 Batteriespeicherprojekte realisiert.
Vom Heimspeicher bis zum Langzeitspeicher: Speicher mit unterschiedlichen Aufgaben im Stromsystem
Je nach Technologie, Speicherdauer und Einsatzgebiet erfüllen Energiespeicher unterschiedliche Funktionen. Kleinere Heimspeicher dienen vor allem dazu, selbst erzeugten Solarstrom zwischenzuspeichern und den Eigenverbrauch zu erhöhen. Mit dynamischen Stromtarifen und entsprechender Steuerung eröffnen sich zusätzliche Möglichkeiten, den Strombezug in Zeiten niedriger Preise zu verlagern.
Bei marktlich betriebenen Großbatteriespeichern steht dagegen die wirtschaftliche Nutzung ihrer Flexibilität im Vordergrund. Dazu gehören der Stromhandel und die Bereitstellung von Regelleistung zur Stabilisierung der Netzfrequenz. Vattenfall vermarktet bereits Großbatteriespeicher anderer Betreiber am Stromgroßhandel und auf Regelleistungsmärkten. Das geplante System in Brunsbüttel soll nach Angaben des Energiekonzerns zur Integration erneuerbarer Energien und zur Stabilität des Stromsystems beitragen. Mit einer Speicherdauer von rund vier Stunden kann die Anlage größere Strommengen zeitlich verschieben.
Eine dritte Anwendung bilden Batteriespeicher, die gezielt zur Absicherung des Netzbetriebs vorgehalten werden. Ein Beispiel ist der Netzbooster von TransnetBW in Kupferzell mit 250 MW Leistung und 250 MWh Kapazität. Auch dort liefert Fluence die Batterietechnik. Die Anlage befindet sich derzeit im Bau. Nach dem Netzentwicklungsplan ist ihre Inbetriebnahme für 2027 vorgesehen. Anders als marktlich betriebene Großspeicher ist der Netzbooster ausschließlich für Aufgaben des Netzbetriebs vorgesehen. Eine Nutzung für den Stromhandel ist nach der Genehmigung der Bundesnetzagentur ausgeschlossen. Der Netzbooster ermöglicht eine höhere Auslastung bestehender Stromleitungen, indem er bei einem Leitungsausfall sekundenschnell Strom einspeist und drohende Überlastungen für bis zu eine Stunde ausgleicht.
Eine vierte Gruppe bilden Speicher für längere Zeiträume. Dazu zählen Redox-Flow-Batterien, bei denen Leistung und Speicherkapazität weitgehend unabhängig voneinander dimensioniert werden können, sowie Druckluftspeicher, die Energie über mehrere Stunden speichern können. Für die Speicherung über Tage, Wochen oder sogar saisonale Zeiträume kommen insbesondere Wasserstoffspeicher und bestimmte thermische Speichertechnologien infrage.
© IWR, 2026
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