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Strom: Nicht nur hohe Gaspreise belasten die Wirtschaftlichkeit von Gaskraftwerken

© Adobe Stock© Adobe StockMünster – Die Gaspreise haben sich infolge geopolitischer Spannungen im Iran binnen weniger Tage zeitweise verdoppelt. Hintergrund sind wachsende Sorgen über mögliche Lieferunterbrechungen sowie steigende Risikoaufschläge an den Terminmärkten. Die Entwicklung trifft nicht nur die Energiemärkte, sondern wirkt sich direkt auf die Wirtschaftlichkeit von Gaskraftwerken aus. Besonders betroffen sind jene Anlagen, die Strom für KI-Rechenzentren liefern oder als flexible Back-up-Kapazitäten im Stromsystem dienen.

Der Ausbau von Rechenzentren und die steigende Nachfrage nach schnell verfügbarer Stromerzeugung hatten Gaskraftwerke zuletzt stärker in den Fokus von Investoren und Herstellern gerückt. Doch das Umfeld ändert sich schnell: Rasant steigende Investitionskosten für Gasturbinen, lange Lieferzeiten und deutlich höhere Brennstoffpreise verschärfen die Wirtschaftlichkeit gleichzeitig von zwei Seiten. Damit geraten neue Projekte unter Druck.

Atomkraftwerke scheiden wegen langer Planungs- und Bauzeiten als kurzfristige Alternative aus. Stärker in den Fokus rücken dagegen Hybridkraftwerke, die erneuerbare Energien mit Batteriespeichern sowie Brennstoffzellen kombinieren und Gaskraftwerken zunehmend Konkurrenz machen können.

Gaskraftwerke: Investitions- und Brennstoffkosten steigen parallel
Hersteller von Gasturbinen profitierten in den vergangenen Jahren vom Boom bei KI-Rechenzentren. Betreiber benötigen große Strommengen innerhalb kurzer Zeit, weshalb Gaskraftwerke häufig als erste Option galten.

Doch die Wirtschaftlichkeit steht derzeit unter massivem Druck. Nach dem deutlichen Kostenanstieg bei Gasturbinen verschärfen die geopolitisch getriebenen Gaspreissteigerungen nun zusätzlich die laufenden Betriebs- und Brennstoffkosten.

Marktanalysen zeigen laut Reuters: Kombinierte Gas-Kraftwerksprojekte werden inzwischen häufig mit über 2000 US-Dollar pro Kilowatt kalkuliert, in Einzelfällen sogar mit bis zu 2400 US-Dollar pro kW. Das entspricht Steigerungen von bis zu 75 Prozent gegenüber früheren Planwerten. Gleichzeitig haben sich die Lieferzeiten für große Turbinen teils auf bis zu sieben Jahre verlängert – ein erheblicher Risikofaktor für Investoren.

Parallel dazu kletterten die Gaspreise am europäischen TTF-Handelsplatz wegen des Irankriegs zeitweise von rund 30 Euro/MWh auf über 60 Euro/MWh (Stand: 03.03.2026). Bei einem Wirkungsgrad moderner Gaskraftwerke von etwa 50 Prozent ergeben sich daraus allein Brennstoffkosten von rund 12 Cent pro Kilowattstunde Strom – noch ohne Berücksichtigung von Investitions-, Betriebs- oder CO2-Kosten.

Damit verschiebt sich die Kostenbasis gleichzeitig bei der Anschaffung der Anlagen und beim späteren Betrieb. Das Geschäftsmodell flexibler Gaskraftwerke wird zunehmend anspruchsvoller.

Hybridkraftwerke und dezentrale Systeme mit Batteriespeichern im Aufwind
Während klassische Großkraftwerke mit steigenden Investitions- und Finanzierungskosten kämpfen, gewinnen andere Versorgungsmodelle an Gewicht – insbesondere Hybridlösungen aus erneuerbaren Energien, Batteriespeichern und dezentralen Brennstoffzellen.

In Australien sank beispielsweise nach Angaben des Australian Energy Market Operator (AEMO) im vierten Quartal 2025 die durchschnittliche Gasverstromung im National Electricity Market um rund 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig weiteten große Batteriespeicher ihre Einsatzzeiten deutlich aus und ersetzten insbesondere in Lastspitzen zunehmend fossile Erzeugung. Gas wird dadurch stärker in Reserve- und Absicherungssituationen gedrängt.

Auch in den USA entstehen neue Modelle für energieintensive Standorte. Ein Beispiel ist eine Rahmenvereinbarung zwischen American Electric Power (AEP) und Bloom Energy über bis zu 1 Gigawatt (1.000 MW) Solid-Oxide-Brennstoffzellen zur direkten Versorgung großer Stromverbraucher. Ein erster Auftrag über 100 Megawatt wurde bereits erteilt. Die Systeme sollen unter anderem an Standorten mit hohem Leistungsbedarf wie Rechenzentren innerhalb kurzer Zeit installiert werden.

Solche dezentralen oder hybriden Konzepte ermöglichen eine vergleichsweise schnelle Umsetzung und reduzieren die Abhängigkeit von langwierigen Netzausbauprojekten und verdrängen den Einsatz von Gaskraftwerken sukzessive.

Atomkraft: Zu langsam und zu teuer für kurzfristigen Bedarf
Kleine modulare Reaktoren (SMR) wurden als potenzielle CO2-arme Alternative diskutiert. In der Praxis zeigt sich jedoch: Für kurzfristig wachsende Strombedarfe sind sie derzeit weder zeitlich noch wirtschaftlich konkurrenzfähig.

Das gemeinsam mit dem Versorger Utah Associated Municipal Power Systems (UAMPS) geplante Carbon Free Power Project (CFPP) in Idaho sollte sechs SMR-Module von Nuscale Power Corp. mit zusammen 462 MW Leistung umfassen. Im November 2023 wurde das Projekt eingestellt.

Ausschlaggebend waren stark gestiegene Kosten. Die prognostizierten Stromgestehungskosten erhöhten sich von ursprünglich rund 58 US-Dollar/MWh auf etwa 89 US-Dollar/MWh nach einer aktualisierten Kalkulation Anfang 2023, die bereits inflations- und baupreisbedingte Kostensteigerungen berücksichtigte. Mehrere kommunale US-Energieversorger zogen daraufhin ihre Abnahmezusagen zurück, womit dem Projekt die wirtschaftliche Grundlage entzogen wurde.

Hinzu kommen lange Genehmigungs- und Bauzeiten von deutlich über zehn Jahren sowie hohe Kapitalbindung und Finanzierungsrisiken. Für Unternehmen mit schnell wachsendem Strombedarf ist Kernenergie damit derzeit keine realistische kurzfristige Option.

Fazit: Gaskraftwerke geraten unter Druck - Dominanz schwindet
Neue Gaskraftwerke geraten zunehmend von zwei Seiten unter Druck: steigende Investitionskosten und volatile, teils stark gestiegene Brennstoffpreise. Parallel gewinnen Batteriespeicher, hybride Erneuerbaren-Konzepte und dezentrale Brennstoffzellenlösungen an Bedeutung.

Während Kernenergie aufgrund hoher Kosten und langer Realisierungszeiträume kurzfristig keine Entlastung bringt, zeichnet sich ein Strukturwandel ab: Das Gaskraftwerk bleibt zwar wichtig für Flexibilität – verliert aber seine Rolle als alleinige Antwort auf den rasch wachsenden Strombedarf der KI-Industrie. Erneuerbare Energien in Verbindung mit Batteriespeichern entwickeln sich zu einer wirtschaftlich tragfähigen Alternative.

© IWR, 2026


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03.03.2026

 



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