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Ungarn hebt Windkraft-Ausbaustopp auf und will installierte Leistung bis 2030 mehr als verzehnfachen

© Shutterstock© ShutterstockBudapest – Ungarn will seine installierte Windkraftleistung bis 2030 auf etwa 4 GW und damit auf mehr als das Zehnfache des heutigen Niveaus ausbauen. Nach fast zehn Jahren soll damit der faktische Ausbaustopp für neue Windparks enden. Das kündigte Wirtschafts- und Energieminister István Kapitány in einem Regierungsstatement an.

Mit dem Kurswechsel reagiert die ungarische Regierung auf die Herausforderungen eines stark solargeprägten Stromsystems. Windenergie soll künftig die Photovoltaik ergänzen und so die Versorgungssicherheit stärken sowie die Abhängigkeit von Energieimporten und fossilen Energieträgern verringern.

Windkraft-Ausbau in Ungarn startet mit erster Ausschreibung in 2026
Der Ausbau soll bereits in diesem Jahr beginnen. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums werden die Entwürfe der Ausschreibungsbedingungen öffentlich konsultiert. Die erste Ausschreibung soll bis Ende August veröffentlicht werden. Ursprünglich war ein Ausschreibungsvolumen von mindestens 700 MW Windkraftleistung vorgesehen. Aufgrund des starken Interesses von Investoren soll das Volumen nach Angaben von Minister Kapitány nun auf nahezu 1.000 MW erhöht werden. Bis 2030 will die Regierung die installierte Windkraftleistung auf rund 4 GW ausbauen und damit gegenüber dem heutigen Bestand von rund 330 MW mehr als verzehnfachen.

Der Ausbau der Windenergie war in Ungarn bereits Anfang der 2010er Jahre nahezu zum Erliegen gekommen, nachdem keine neuen Ausschreibungen mehr durchgeführt wurden. Mit der 2016 eingeführten Abstandsregelung, die Windkraftanlagen in einem Umkreis von zwölf Kilometern um Siedlungen praktisch ausschloss, wurde der Neubau neuer Windparks zusätzlich erschwert. Erst 2024 lockerte die Regierung die Vorgaben und reduzierte den Mindestabstand auf 700 Meter. Damit wurde der Weg für neue Windkraftprojekte wieder geöffnet.

Netzausbau soll Integration erneuerbarer Energien beschleunigen
Parallel zum Windkraftprogramm treibt die Regierung den Ausbau der Stromnetze voran. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums sollen rund 1,5 Mrd. Euro in die Modernisierung der Übertragungs- und Verteilnetze investiert werden. Die Finanzierung erfolgt im Rahmen der europäischen Aufbau- und Resilienzfazilität (Recovery and Resilience Facility, RRF).

Flankierend hat das Ministerium eine öffentliche Konsultation zu mehreren Gesetzesänderungen gestartet. Vorgesehen sind unter anderem dynamische Stromtarife, ein Rechtsrahmen für unabhängige Aggregatoren, vereinfachte Genehmigungs- und Netzanschlussverfahren für Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien sowie der verstärkte Einsatz intelligenter Stromzähler. Ziel ist es, die Integration zusätzlicher Wind- und Solarkapazitäten in das Stromsystem zu erleichtern.

Solarboom erhöht Bedarf an einem ausgewogenen Strommix
Ungarn zählt inzwischen zu den am schnellsten wachsenden Solarmärkten Europas. Der Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung konzentrierte sich in den vergangenen Jahren jedoch fast ausschließlich auf Photovoltaikanlagen. Dadurch nehmen Netzengpässe und die Anforderungen an die Systemflexibilität zu.

Die Herausforderungen wurden während der Hitzewelle Ende Juni 2026 besonders deutlich. Der Stromverbrauch erreichte Rekordwerte, während das Kernkraftwerk Paks seine Leistung aufgrund der hohen Temperatur der Donau zeitweise reduzieren musste. Gleichzeitig genehmigten die Behörden vorübergehend höhere Einleittemperaturen für das Kühlwasser, um den Leistungsrückgang zu begrenzen. Ein stärkerer Ausbau der Windenergie soll künftig die wetterbedingten Schwankungen der Solarstromerzeugung ausgleichen und die Stabilität des Stromsystems erhöhen.

EU: Ungarn nähert sich wieder den energiepolitischen EU-Zielen an
Mit der Rückkehr zur Windenergie rückt Ungarn zugleich wieder näher an die energiepolitischen Zielsetzungen der Europäischen Union heran. Die überarbeitete Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III) sieht bis 2030 einen Anteil erneuerbarer Energien von mindestens 42,5 Prozent am Bruttoendenergieverbrauch vor, als gemeinsames Ziel strebt die EU 45 Prozent an. Ergänzend fordert der europäische Windkraft-Aktionsplan die Mitgliedstaaten auf, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen, regulatorische Hemmnisse abzubauen und den Ausbau der Windenergie deutlich zu beschleunigen.

Mit der Öffnung für neue Windkraftprojekte folgt Ungarn zugleich dem europäischen Kurs, den Ausbau erneuerbarer Energien technologisch breiter aufzustellen. Nach Jahren, in denen der Ausbau nahezu ausschließlich von der Photovoltaik getragen wurde, soll künftig auch die Windenergie wieder einen deutlich größeren Beitrag zur Stromversorgung leisten.

© IWR, 2026


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24.07.2026

 



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