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Elektro-Lkw auf dem Vormarsch: Über 40 Prozent der befragten Flottenentscheider sehen Kostenvorteile gegenüber Diesel

Leinfelden-Echterdingen - Mehr als 40 Prozent der von Daimler Truck befragten Flottenentscheider halten batterieelektrische Lkw hinsichtlich der Gesamtkosten für wirtschaftlicher als Diesel-Lkw. Aktuelle EU-Zulassungszahlen belegen zudem ein kräftiges Wachstum elektrisch aufladbarer Lkw, deren Marktanteil allerdings weiterhin niedrig ist.

Die Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs verläuft in Europa unterschiedlich schnell: Während elektrisch aufladbare mittelschwere Lkw bereits höhere Marktanteile erreichen, bleibt die Marktdurchdringung bei schweren Lkw gering. Für den weiteren Ausbau sind neben der Wirtschaftlichkeit vor allem Ladeinfrastruktur und regulatorische Rahmenbedingungen entscheidend.

Daimler-Truck-Umfrage: Über 40 Prozent sehen Elektro-Lkw wirtschaftlich im Vorteil
Für die nicht repräsentative Umfrage hat Daimler Truck 197 Flottenentscheider in Deutschland, Großbritannien und Frankreich befragt. Mehr als 40 Prozent bewerten batterieelektrische Lkw unter Berücksichtigung der Gesamtkosten (Total Cost of Ownership, TCO) als wirtschaftlicher als Diesel-Lkw. Weitere 16 Prozent sehen beide Antriebsarten etwa gleichauf, rund ein Viertel hält Diesel-Lkw für wirtschaftlicher. Knapp ein Viertel der Befragten setzt bereits batterieelektrische Lkw ein.

Die Ergebnisse spiegeln Einschätzungen der Flottenentscheider wider und sind kein unabhängiger Nachweis niedrigerer Gesamtkosten. Die Wirtschaftlichkeit hängt unter anderem von Anschaffungskosten, Fahrleistung, Energiepreisen, Mautregelungen und Ladeinfrastruktur ab.

Ladeinfrastruktur bleibt Engpass für Flottenbetreiber
Während rund zwei Drittel der Befragten Stromkosten für mindestens ebenso gut planbar halten wie Dieselkosten, sehen 61 Prozent Nachteile bei der Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur. Die Befragten bewerten damit die Planbarkeit der Energiekosten günstiger als die Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur.

Der Logistikdienstleister Dachser setzt nach eigenen Angaben mehr als 200 batterieelektrische Lkw im Nah- und Fernverkehr ein und betreibt 25 emissionsfreie Zustellgebiete in Europa. Dachser-Vorstand Stefan Hohm betont, dass für eine breitere Elektrifizierung insbesondere Investitionssicherheit sowie ein verlässlicher Ausbau der Energie- und Ladeinfrastruktur notwendig seien.

Die EU-Verordnung über die Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR) schreibt bis 2030 Mindestanforderungen für Lkw-Ladeparks entlang des transeuropäischen Verkehrsnetzes vor. Auf dem TEN-T-Kernnetz sollen Ladeangebote im Abstand von höchstens 60 Kilometern je Fahrtrichtung verfügbar sein.

EU-Markt für elektrisch aufladbare Lkw wächst um knapp 50 Prozent
Nach Angaben des europäischen Automobilherstellerverbandes ACEA stiegen die Neuzulassungen elektrisch aufladbarer Lkw über 3,5 Tonnen in der EU von Januar bis September 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 49,8 Prozent auf 12.873 Fahrzeuge. Die ACEA-Kategorie umfasst sowohl batterieelektrische Lkw als auch Plug-in-Hybride. Ihr gemeinsamer Marktanteil erhöhte sich von 3,8 auf 5,3 Prozent. Diesel-Lkw erreichten weiterhin 91,7 Prozent.

Hinter dem Gesamtmarktanteil stehen deutliche Unterschiede zwischen den Fahrzeugklassen. Bei mittelschweren Lkw mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 3,5 bis unter 16 Tonnen erreichten elektrisch aufladbare Fahrzeuge in den ersten neun Monaten 2026 einen Marktanteil von 19,8 Prozent. Bei schweren Lkw ab 16 Tonnen waren es dagegen lediglich 2,5 Prozent. Im Gesamtjahr 2025 hatte der Anteil elektrisch aufladbarer Lkw über 3,5 Tonnen bei 4,2 Prozent gelegen, nach 2,3 Prozent im Vorjahr.

EU-Klimavorgaben: Hersteller fordern trotz Erleichterungen mehr Zeit
Die EU schreibt für die erfassten neuen schweren Nutzfahrzeuge eine Reduzierung der durchschnittlichen CO2-Emissionen gegenüber dem Referenzzeitraum um 45 Prozent ab 2030, 65 Prozent ab 2035 und 90 Prozent ab 2040 vor. Im Mai 2026 trat eine Regelung in Kraft, die den Herstellern für 2025 bis 2029 zusätzliche Flexibilität beim Ansammeln von Emissionsgutschriften einräumt. Die Minderungsziele bleiben unverändert.

Dennoch forderten sieben führende europäische Lkw- und Bushersteller im September eine Verschiebung des Zeitplans für die CO2-Ziele ab 2030 um drei Jahre. Nach Angaben des Herstellerverbandes ACEA stehen europaweit weniger als 2.000 öffentlich zugängliche, für Lkw geeignete Ladepunkte zur Verfügung. Monatlich müssten mindestens 700 weitere hinzukommen. Bei einer Verfehlung des CO2-Ziels für 2030 um drei Prozentpunkte könnten nach einer ACEA-Modellrechnung Strafzahlungen von rund 2,2 Milliarden Euro anfallen.

Damit zeigt sich ein Spannungsfeld: Während mehr als 40 Prozent der befragten Flottenentscheider Elektro-Lkw bereits für wirtschaftlicher halten, sehen führende Lkw-Hersteller die Voraussetzungen für eine breite Marktdurchdringung weiterhin als unzureichend an. Besonders bei schweren Lkw verdeutlicht der bislang geringe Marktanteil elektrisch aufladbarer Fahrzeuge die Herausforderungen bei der Erfüllung der europäischen CO2-Vorgaben ab 2030.

© IWR, 2026


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