Statt Rückbau: Offshore-Windpark Alpha Ventus soll länger laufen - Deutsche Windtechnik übernimmt Service
Die erste Generation europäischer Offshore-Windparks erreicht zunehmend ein Alter, in dem Betreiber über Rückbau oder Verlängerung der Betriebsdauer entscheiden müssen. Während viele Anlagen ursprünglich für rund 20 Betriebsjahre ausgelegt wurden, können technische Zustandsbewertungen und angepasste Wartungskonzepte einen längeren Betrieb ermöglichen. In mehreren europäischen Ländern wurden entsprechende Betriebsverlängerungen bereits genehmigt.
Deutsche Windtechnik übernimmt Service für zwölf Offshore-Windturbinen
Der Servicevertrag mit der Deutschen Windtechnik umfasst die Wartung und Instandhaltung der sechs Senvion-5M-Anlagen und sechs Adwen-Turbinen des Typs AD 5-116 (ehemals AREVA M5000) sowie den technischen Support. Ab September 2027 kommen Fernüberwachung, Offshore-Koordinierung, Netzmanagement und ein rund um die Uhr verfügbares Alarmmanagement hinzu. Die Designverantwortung übernimmt Ocean Breeze Energy.
Bereits seit 2017 betreute die Deutsche Windtechnik die sechs Senvion-Turbinen, Anfang 2020 kamen die sechs heutigen Adwen-Anlagen hinzu.
Mit dem neuen Auftrag erweitert der Servicedienstleister seine Aktivitäten im Offshore-Cluster Borkum. Ab Januar 2027 betreut Deutsche Windtechnik die Offshore-Windparks Alpha Ventus, Riffgat und Trianel Windpark Borkum I. Durch die Bündelung der Serviceaktivitäten sollen kürzere Reaktionszeiten und eine effizientere Einsatzplanung ermöglicht werden, so die Deutsche Windtechnik.
Nach Rückbaubeschluss 2025: Ocean Breeze Energy setzt auf Weiterbetrieb
Im Mai 2025 hatten die damaligen Eigentümer EWE, RWE und Vattenfall beschlossen, den 2010 offiziell in Betrieb genommenen Offshore-Windpark Alpha Ventus zurückzubauen. Nach der Übernahme durch Ocean Breeze Energy im Oktober 2026 änderte sich die Strategie: Der neue Eigentümer will die Anlagen über die ursprünglich vorgesehenen 20 Betriebsjahre hinaus weiterbetreiben.
Ocean Breeze Energy gehört Fonds, die von Macquarie Asset Management verwaltet werden. Das Unternehmen betreibt bereits den Offshore-Windpark BARD Offshore 1 mit 400 MW und 80 Windenergieanlagen. Ocean Breeze Energy setzt beim Weiterbetrieb von Alpha Ventus nach eigenen Angaben auf seine Erfahrung mit älteren Windenergieanlagen und Synergien mit dem bestehenden Offshore-Portfolio. Eine konkrete neue Betriebsdauer wurde bislang nicht genannt.
Offshore-Windparks: Dänemark und Niederlande verlängern Betriebszeiten
Welche zusätzlichen Betriebszeiten bei älteren Offshore-Windparks möglich sind, zeigen bereits genehmigte Laufzeitverlängerungen in mehreren europäischen Ländern.
In Dänemark wurden nach Angaben des internationalen Forschungsprogramms IEA Wind 2025 fünf Offshore-Windparks für zusätzliche Betriebszeiten von 10 bis 25 Jahren zugelassen. Dazu gehört der bereits 2002 in Betrieb genommene Offshore-Windpark Horns Rev 1 mit 160 MW, dessen Stromerzeugungsgenehmigung um 15 Jahre bis 2042 verlängert wurde. Damit könnte der Windpark insgesamt rund 40 Jahre Strom erzeugen. In den Niederlanden erhielt der 2007 in Betrieb genommene Offshore-Windpark Egmond aan Zee 2025 die Genehmigung für einen Weiterbetrieb bis 2031. Dafür waren technische und ökologische Untersuchungen erforderlich.
Ein im Juni 2026 veröffentlichter Forschungsbericht der IEA Wind Task 42 kommt zu dem Ergebnis, dass Betriebsverlängerungen technisch grundsätzlich möglich und häufig wirtschaftlich attraktiv sind. Voraussetzung sind unter anderem eine ausreichende Zuverlässigkeit der Anlagen und wirtschaftlich vertretbare Instandhaltungskosten. Als wesentliche Hindernisse für eine breitere Umsetzung identifizieren die Forschenden zudem rechtliche Unsicherheiten und uneinheitliche regulatorische Rahmenbedingungen in Europa.
© IWR, 2026
Mehr Nachrichten und Infos aus der Regenerativen Energiewirtschaft
Deutschlands größter Offshore-Windpark nimmt Gestalt an: Vattenfall schließt Fundamentbau für Nordlicht I vorzeitig ab
Größter Offshore-Windpark in der deutschen Ostsee: Gennaker erreicht wichtigen Meilenstein
Regelenergiemarkt im Wandel: Vattenfall steigt mit 200 MW Offshore-Windleistung ein
Offshore-Wind zwischen Festfundament und Floating: Neretek und Vestas prüfen Zusammenarbeit für 60 bis 90 Meter Wassertiefe
Offshore-Windenergie: Deutschland stellt Weichen für weiteren Ausbau neu - BSH optimiert Flächenplanung
Seminar: Gründungen und Tragwerke von WEA
rhenag Rheinische Energie AG sucht Prozessmanager energiewirtschaftliche Marktkommunikation (m/w/d)
Kraftwerks-Ausschreibung: Gaskraftwerke sichern sich Milliardenförderung - Keine Batteriespeicher unter den Zuschlägen06.11.2026
Pressemappen - mit Original-Pressemitteilungen



