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Japans neuer Weg zur Dekarbonisierung nach Fukushima

© Prime_Minister_of_Japan_and_his_Cabinet© Prime_Minister_of_Japan_and_his_CabinetTokio – Nach dem Atomunfall in Fukushima im Jahr 2011 waren in Japan zeitweise alle 50 Atomkraftwerke schlagartig außer Betrieb. In der Folge wurde in den vergangenen 10 Jahren das Energiesystem umgebaut und der Energie-Mix auch durch den Ausbau an erneuerbaren Energien stärker diversifiziert. Doch ganz auf die Atomenergie verzichten will Japan nicht.

Der Atomunfall im japanischen Fukushima hat nicht nur in Japan tiefe Spuren hinterlassen, sondern auch durch Nachrüstungen die Kosten für den Atomstrom weltweit deutlich erhöht. Ebenso wie der Atomunfall in Tschernobyl im Jahr 1986 hat der Wandel zu erneuerbaren Energien einen zusätzlichen Schub erfahren. Bis zur Dekarbonisierung der japanischen Gesellschaft ist es aber noch ein weiter Weg.

Fukushima-Atomunfall – Die Milliarden Erblast für nachfolgende Generationen
Das Atomdesaster von Fukushima am 11.03.2011 war eines der schwersten Reaktorunglücke weltweit. Nach dem Atomunfall wurden zunächst alle restlichen rd. 50 Atomkraftwerke bis 2012 nahezu komplett abgeschaltet. Die Folgen für die Nutzung der Atomenergie waren nicht nur auf Japan beschränkt, sondern hatten globale Dimensionen. Neue Sicherheitsbestimmungen rund um den Globus führten in den Ländern mit Kernkraftwerken zu Neubau-Verzögerungen, Projektverschiebungen, AKW-Stilllegungen und in der Folge zu deutlich höheren Stromerzeugungskosten durch Sicherheitsauflagen.

Nach Angaben des Power Magazines hat der japanische Atomkonzern Tepco (Tokyo Electric Power C), der für die vier AKW-Blöcke in Fukushima verantwortlich ist, allein bis April 2020 bereits 95 Milliarden USD (80 Mrd. Euro) nur für Entschädigungen aufwenden müssen. Für den Rückbau und die Entsorgung der strahlenden Atomkraftwerks-Ruinen, der zwischen 2041 und 2050 abgeschlossen sein soll, taxiert das Japan Center for Economic Research die weiteren Kosten in einer Bandbreite zwischen 270 und 620 Milliarden Euro.

Zusätzlich zu den Atomunfallkosten sind weltweit weitere Sicherheitsausgaben für Kernkraftwerke angefallen. In Japan beliefen sich allein die Ausgaben für Atomkraftwerke, die nach Angaben des Power Magazines hohe Betonmauern zum Schutz errichtet haben, auf rd. 850 Mio. Euro Mehrkosten für jedes Atomkraftwerk. Auch in anderen Ländern war die Nachrüstung sehr teuer. Allein in Frankreich werden die zusätzlichen Sicherheits-Mehrkosten laut dem Power Magazine auf knapp 70 Mio. Euro je AKW (80 Mio. USD) geschätzt. Bei den aktuell 56 in Betrieb befindlichen französischen Atomkraftwerken sind demnach über 3,9 Mrd. Euro an Zusatzkosten angefallen.

Änderungen im japanischen Strom-Mix – Anteil der erneuerbaren Energien steigt
In den letzten 10 Jahren hat sich der Strom-Mix in Japan deutlich geändert. So erreichte die japanische Stromerzeugung laut Internationaler Energieagentur IEA im Jahr 2019 rd. 950 Mrd. kWh. Das ist der niedrigsten Stand seit – mindestens - dem Jahr 2000. Nach dem Atomunfall in Fukushima 2011 ersetzten zunächst Kohle-, Gas- und Ölkraftwerke den fehlenden Atomstrom. Der fossil-thermische Anteil ist bis 2019 kontinuierlich wieder zurückgegangen, allerdings fiel der Rückgang der Stromerzeugung aus Öl- und Gaskraftwerken deutlich stärker aus als der aus Kohlekraftwerken.

Der Wandel zum verstärkten Ausbau der erneuerbaren Energien war eine weitere Folge des Fukushima-Desasters. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der japanischen Stromerzeugung kletterte laut dem japanischen Institute for Sustainable Energy Policies mit Sitz in Tokio im Jahr 2019 auf insgesamt 18,5 Prozent. Das ist ein weiterer neuer Rekord. Die höchsten erneuerbaren Beiträge in Japan lieferten die Wasserkraft (7,4 Prozent) und die Photovoltaik mit ebenfalls 7,4 Prozent. Grundlage für den hohen PV-Stromanteil ist das japanische Solarprogramm, das zu einer installierten PV-Leistung von rd. 60.000 MW (2019) führte. Dahinter folgt die Bioenergie mit 2,7 Prozent. Die Stromerzeugung aus Windenergie (0,76 Prozent) und Geothermie (0,24 Prozent) führen derzeit nur ein Schattendasein, das Potenzial ist allerdings erheblich.

Seit 2014, als der Anteil der Kernenergie an der japanischen Stromerzeugung bei 0 Prozent lag, sind sukzessive einige Atomkraftwerke wieder ans Netz gegangen. Im Jahr 2019 erreicht der Atomstrom einen Anteil von 6,5 Prozent (vor dem Fukushima-Unfall: 25 Prozent).

Wie Japan die Dekarbonisierung bis 2050 erreichen will
Im Oktober 2020 hat der neue japanische Premierminister Yoshihide Suga bekannt gegeben, dass Japan bis 2050 darauf abzielt, die Treibhausgasemissioen auf null zu senken und das Land bis zu diesem Zeitpunkt eine klimaneutrale, dekarbonisierte Gesellschaft verwirklichen will. Bereits im Dezember 2020 ist die neue „Strategie für grünes Wachstum im Einklang mit der CO2-Neutralität 2050“ vorgestellt worden.

Die auf Basis einer Industriepolitik konzipierte Strategie berücksichtigt 14 Sektoren mit hohem Wachstumspotenzial. Die Regierung setzt laut der IEA u.a. auf einen ehrgeizigen Ausbau der erneuerbaren Energien, auf Kernenergie und kohlenstoffarmen bzw. grünen Wasserstoff sowie bei fossilen Kraftwerken auf CO2-Abscheidung und -Speicherung. Bis 2050 soll der Anteil der erneuerbaren Energien auf 50 und 60 Prozent des Strombedarfs klettern. So ist beispielsweise vorgesehen, allein die Offshore Windkraftleistung bis 2030 auf 10 GW (10.000 MW) und bis 2040 auf 30 bis 45 GW auszubauen.

Die IEA erwartet, dass auch der Wasserstoff eine zentrale Rolle bei der Umstellung auf saubere Energie spielen wird. Japan war eines der ersten Länder, das eine nationale Wasserstoffstrategie auf den Weg gebracht hat, die darauf abzielt, die Kosten für Wasserstoff gegenüber Erdgas zu reduzieren. Bis 2030 strebt Japan 800 000 Brennstoffzellenfahrzeuge, mehr als 5 Millionen Brennstoffzellen für Privathaushalte und den Aufbau einer internationalen Wasserstoffversorgungskette an.

© IWR, 2021


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09.03.2021

 



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