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Offshore-Ausbauziele 2030: Projektrealisierung rückt in den Fokus - Branche fordert Anpassung der Rahmenbedingungen

© Adobe Stock / Fotolia© Adobe Stock / FotoliaBerlin, Bremerhaven, Frankfurt, Hamburg, Rostock - In Deutschland wurde im letzten Jahr mit dem Nordsee-Windpark Arcadis Ost 1 ein neuer Offshore-Windpark in Betrieb genommen. Um die Ausbauziele bis 2030 zu erreichen, muss die Projektumsetzung deutlich beschleunigt werden. Die Branche sieht die Politik am Zug und fordert entsprechende Maßnahmen.

Nachdem der deutsche Offshore-Markt 2020 in eine Ausbaulücke gelaufen ist, wurde 2022 mit der Fertigstellung des Offshore-Windparks Kaskasi eine Trendwende eingeläutet. Mit der Inbetriebnahme der insgesamt 27 Windturbinen des Nordsee-Windparks Arcadis Ost 1 mit einer Leistung von 257 MW hat sich diese Entwicklung 2023 weiter fortgesetzt. Branchenvertreter fordern mit Blick auf die Ausbauziele der Bundesregierung, die Projektrealisierung in den Fokus zu rücken und die Rahmenbedingungen anzupassen.

Offshore-Leistung in Deutschland bei knapp 8.500 MW
Insgesamt waren in Deutschland Ende 2023 laut Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur Ende 2023 insgesamt knapp 1.570 Offshore-Windenergieanlagen in Deutschland mit einer Leistung von etwa 8.460 MW in Betrieb. Zur Erreichung der Offshore-Ziele der Bundesregierung von mindestens 30.000 MW (30 GW) bis zum Jahr 2030 bzw. mindestens 40.000 MW (40 GW) bis 2045 ist es daher noch ein weiter Weg.

In Summe haben On- und Offshore-Windenergieanlagen in Deutschland im Jahr 2023 ausgehend von einer IWR-Auswertung der Daten der europäischen Übertragungsnetzbetreiber Entso-e rund 141,9 Mrd. kWh Strom in die Netze eingespeist, was gegenüber dem Vorjahr einem Plus von 13,4 Prozent entspricht (2022: rd. 125,1 Mrd. kWh). Davon entfallen 2023 rd. 118,4 Mrd. kWh auf die Onshore-Windenergie und 23,5 Mrd. kWh auf die Offshore-Windenergie (2022: Onshore 100,4 Mrd. kWh, Offshore: 2022: 24,7 Mrd. kWh).

Energie- und Industriepolitik müssen ineinandergreifen - Anpassung des WindSeeG notwendig
Die Branchenorganisationen der deutschen Offshore-Windindustrie BWE, BWO, Stiftung Offshore-Windenergie, VDMA Power Systems, WAB e.V. und WindEnergy Network e.V. begrüßen die aktuelle Entwicklung des Offshore-Windmarktes. Es sei erfreulich, dass der Offshore-Wind-Zubau langsam wieder Fahrt aufnehme. Gleichzeitig werde deutlich, dass in den kommenden 7 Jahren Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von 21, 5 GW zusätzlich in Betrieb genommen werden müssten, um das politische Zubauziel von mindestens 30 GW Windenergie auf See bis Ende 2030 zu erreichen, so die Branchenvertreter. Das entspricht durchschnittlich 3,1 GW pro Jahr.

Da politische Ausbauziele allein keine industriepolitische Umsetzungsgrundlage schaffen, müsse nun die Projektrealisierung in den Fokus rücken. Um die erhebliche bevorstehende Zubaumenge zu bewältigen, fordern die Branchenvertreter für die Offshore-Wind-Wertschöpfungskette industriepolitische Maßnahmen – z.B. bei der Bereitstellung von Finanzierungsinstrumenten – und einen regulatorischen Rahmen, der die notwendigen Investitionen ermöglicht. Aus den politischen Zielen müssen verlässliche Zuschläge und Investitionsentscheidungen werden, so die Branchenorganisationen.

Vor diesem Hintergrund fordern die Vertreter, dass das Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) für beide Ausschreibungsformen schnellstmöglich angepasst wird. Ziel sollte die Beseitigung von Hürden für die Projektrealisierung und die Stärkung der Offshore-Windindustrie in Deutschland und Europa sein. Mit der Unterzeichnung der Wind Energy Charta im Dezember 2023 habe die Bundesregierung ein starkes Signal gesetzt, dass sie das „Wind Power Package“ der EU-Kommission befürworte und die vorgeschlagenen industriepolitisch wirksamen Maßnahmen umsetzen werde. Sie gebe damit ein klares Bekenntnis zur Inflationsanpassung und zu qualitativen Kriterien ab; sowohl in der Präqualifikations- als auch in der Zuschlagsphase; und beziehe Stellung gegen ungedeckelte, rein quantitative Gebote. Daher müsse das Ausschreibungsdesign im WindSeeG unverzüglich geändert werden.

Für das WindSeeG bedeutet das: Die gegenwärtige Ausgestaltung von Gebotszahlungen und -komponenten erzeugt erheblichen finanziellen Druck auf die Lieferkette und auf künftige Strompreise, und zwar insbesondere für die Industrie. Dies steht nicht in Einklang mit dem politischen Ziel der Projektrealisierung und möglichst niedrigen Stromerzeugungskosten für die deutsche Industrie. Die Gebotszahlungen sollten daher gedeckelt werden.

Es ist daneben wichtig, im Bieterverfahren Transparenz und klare Grenzen festzulegen, die die Akteursvielfalt im deutschen Offshore-Wind-Sektor erhalten und die tatsächliche Projektrealisierung nicht unnötig gefährden. Für das wettbewerbliche Gleichgewicht in der Windindustrie ist es wesentlich, dass europaweit verbindliche und diskriminierungsfreie sowie einheitliche und einfach nachweisbare Präqualifikationskriterien (z. B. im Bereich Cyber Security) verankert werden. Zudem müsse schnellstmögliche Klarheit über Offshore-Elektrolyse-Projekte im Rahmen der SEN-1-Ausschreibung und darüber hinaus geschaffen werden, sind sich die Branchenvertreter einig.

Investitionsentscheidungen für Hafen- und Errichtungsinfrastruktur erfordern politische Flankierung
Zudem sieht die Branche den Bedarf für eine fokussierte Finanzierungsstrategie von Bund, Ländern und der EU für die Wertschöpfungskette, beispielsweise mit Blick auf die Hafen- und Errichtungsinfrastruktur, um Auftragsrisiken abzudecken und gleichzeitig Investitionssicherheit zu ermöglichen. Zudem müssten für die Schaffung zusätzlicher Kapazitäten im Bereich der Seehäfen in Deutschland, wie zum Beispiel Logistikzentren, schwerlastfähige Lagerflächen und Kaikantenanlagen bei Herstellern und Seehäfen sowie Hinterlandanbindungen schnellstens Investitionsentscheidungen getroffen werden. Dies betrifft auch Schiffe für Transport und Errichtung sowie den späteren Betrieb der Offshore Windenergieanlagen. Hier steuere man auf einen erheblichen Engpass zu, wenn der Zubau weiter anziehe, warnen die Branchenvertreter.


© IWR, 2024


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