Ölpreisschock: Fossile Energien treiben erneut Preise und Inflation - EZB erhöht wieder Zinsen
© AdobeStockMünster - Der erneute Preisschub bei fossilen Energieträgern treibt die Inflation im Euroraum deutlich nach oben. Die Europäische Zentralbank (EZB) reagiert und erhöht ihre drei Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte. Der Einlagenzins steigt damit auf 2,50 Prozent.
Die Entwicklung zeigt erneut, wie anfällig die Preisstabilität gegenüber Preisschocks bei fossilen Energien ist. Während 2022 vor allem der massive Anstieg der Gaspreise die Inflation beschleunigte, steht beim aktuellen Preisschock der Ölpreis im Vordergrund. Ein struktureller Ausweg liegt in der Transformation von Öl und Gas hin zu Strom aus heimischen erneuerbaren Energien. Sie gewinnt damit auch als Schutz vor importierten Inflations- und geopolitischen Risiken an Bedeutung.
Inflation steigt auf 3,3 Prozent - Energiepreise legen um 14,3 Prozent zu
Die Inflationsrate im Euroraum ist im August nach einer Schnellschätzung von Eurostat auf 3,3 Prozent gestiegen, nach 2,9 Prozent im Juli. Die Energiepreise lagen 14,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Ohne Energie betrug die Inflationsrate dagegen 2,2 Prozent.
Als wesentliche Ursache für den anhaltenden Inflationsdruck nennt die EZB in ihrer geldpolitischen Erklärung vom 10. September den Konflikt im Nahen Osten. Zuletzt hatte sich die Lage an der Straße von Hormus erneut verschärft: Die USA zerstörten fünf iranische Öltanker, der Iran griff daraufhin Schiffe in der Region sowie einen US-Stützpunkt in Jordanien an. Die zunehmenden Risiken für die Ölversorgung ließen den Brent-Ölpreis am 9. September wieder über 100 US-Dollar je Barrel steigen. Daneben wirken sich nach Einschätzung der EZB auch die Folgen des russischen Kriegs gegen die Ukraine weiterhin auf die Energiepreise aus.
Die EZB erwartet, dass die Inflation länger über ihrem Zielwert von 2 Prozent bleibt. Für 2026 rechnet die Notenbank mit durchschnittlich 3,0 Prozent, für 2027 mit 2,5 Prozent und für 2028 mit 2,1 Prozent.
Parallele zu 2022: Damals trieb vor allem Gas die Inflation
Die Entwicklung erinnert an den Inflationsschub nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Die durchschnittliche Inflation im Euroraum sprang 2022 von 2,6 auf 8,4 Prozent. Die Energiepreise waren nach Angaben der EZB der wichtigste Treiber. Fast die Hälfte des Anstiegs der durchschnittlichen Gesamtinflation im Jahresverlauf 2022 war direkt auf die Energiepreisentwicklung zurückzuführen.
Besonders stark verteuerte sich Erdgas. Zwischen Juli 2021 und der ersten Jahreshälfte 2022 stiegen die europäischen Gaspreise nach EZB-Berechnungen um 145 Prozent, die Ölpreise um 46 Prozent. Die hohen Gaspreise trieben zugleich die Strom-Großhandelspreise. Über höhere Produktions- und Vorleistungskosten breitete sich der Preisdruck anschließend auf weitere Wirtschaftsbereiche aus.
EZB erhöht Zinsen - Sorge vor Zweitrundeneffekten
Der EZB-Rat hat am 10. September 2026 alle drei Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Der Einlagenzins steigt auf 2,50 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz auf 2,65 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz auf 2,90 Prozent.
Mit höheren Zinsen kann die EZB die Preise für Öl und Gas selbst nicht beeinflussen. Entscheidend ist für die Geldpolitik vielmehr, ob sich der fossile Preisschub über Produktionskosten und Verbraucherpreise auf weitere Teile der Wirtschaft überträgt und über höhere Lohnforderungen Zweitrundeneffekte auslöst, die die Inflation längerfristig verfestigen.
IWR: Fossile Energieimporte sind untrennbar mit Preis- und geopolitischen Risiken verbunden - Erneuerbare Energien bieten Inflationsschutz
Der aktuelle Ölpreisschock zeigt erneut, wie geopolitische Konflikte über die internationalen Märkte für fossile Energien auf die europäische Volkswirtschaft durchschlagen. Während 2022 vor allem der Gaspreisschock die Inflation antrieb, steht aktuell der Ölpreis im Mittelpunkt. Die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten überträgt damit Preis- und geopolitische Risiken auf Unternehmen und Verbraucher.
„Die Preistreiber haben einen Namen: fossile Energien. Der beste Inflationsschutz ist die Transformation von Öl und Gas hin zu Strom aus heimischen erneuerbaren Energien“, sagt IWR-Geschäftsführer Dr. Norbert Allnoch.
Der Ausbau erneuerbarer Energien und die Elektrifizierung von Verkehr, Wärme und Industrie haben damit neben der klimapolitischen auch eine geopolitische und volkswirtschaftliche Dimension. Je stärker importiertes Öl und Gas durch Strom aus heimischen erneuerbaren Energien ersetzt werden, desto geringer werden die Abhängigkeit von geopolitisch beeinflussten fossilen Energiemärkten und die damit verbundenen Inflationsrisiken.
© IWR, 2026
Weitere Meldungen rund um die Energiewirtschaft
Weitere Wirtschaftsmeldungen auf energiefirmen.de
Keine EZB-Zinssenkung in Sicht: Inflation in Deutschland sinkt im Oktober 2025 auf 2,3 Prozent
Gaspreise seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt – Das sind die Folgen für Strompreise, Winterversorgung, Inflation und Zinsen
Weitere EZB-Zinssenkung zunächst nicht erwartet: Inflation in Deutschland steigt im September 2025 auf 2,4 Prozent
Stromtarife vergleichen und Anbieter wechseln - strompreisrechner.de
Grüne Aktien: RENIXX legt im ersten Halbjahr 2026 um 21 Prozent zu
UN-Klimachef: Fossile Energiekrise beschleunigt globalen Boom erneuerbarer Energien
Weltpolitik: Irankrieg treibt erst die Ölpreise – RENIXX World zeigt, wann Erneuerbare Energien profitieren
Strom: Nicht nur hohe Gaspreise belasten die Wirtschaftlichkeit von Gaskraftwerken
China dominiert globalen Windmarkt 2024 – Handelskonflikte und geopolitische Risiken fordern Windbranche heraus
Internationaler Offshore-Windmarkt: China 2024 bei Offshore-Windenergie weiter führend - über 39.000 MW am Netz
China lehnt Russlands Preisvorstellungen für Gaslieferungen ab – Power of Siberia 2 in der Sackgasse
Weltrekord: China installiert schwimmende Offshore-Windturbine mit 16 MW Leistung
CATL stellt Batterie-Innovationen für E-Autos vor: CATL bringt neue Batterieserien mit bis zu 1.500 km Reichweite und 6 Minuten Ladezeit auf den Markt
China überschreitet als erstes Land der Welt die Marke von 1.000 GW Solarleistung
Neue Ära: China tritt in den Markt der Mega-Windkraftanlagen mit 20 MW Leistung je Turbine ein
Grüne Industriepolitik: EU hinkt mit Green Deal Industrial Plan China und USA hinterher11.09.2026
Pressemappen - mit Original-Pressemitteilungen


