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Offshore Windziele: Zügige Investitionen in Ausbau der deutschen Seehäfen erforderlich

© Adobe Stock / Fotolia© Adobe Stock / FotoliaBerlin, Hamburg, Bremen, Rostock - Der massive Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland und Europa ist eine zentrale Voraussetzung, um die Energie- und Klimaziele zu erreichen. Ein Flaschenhals in Deutschland sind ausreichende Schwerlastkapazitäten in Seehäfen. Ohne zügige Investitionen in ihre Erweiterung drohen die Offshore-Windpläne in Deutschland aber zu scheitern.

Bis zu 200 Hektar zusätzliche schwerlastfähige Flächen könnte allein für den Neubau von Offshore-Windparks bis 2029 in den deutschen Seehäfen gebraucht werden - das entspricht der Fläche eines Parkplatzes mit 260.000 PKWs. Die Stiftung Offshore-Windenenergie fordert daher zusammen mit den Erneuerbaren Energien & Offshore-Wind Organisationen WAB, Erneuerbare Energien Cluster Hamburg (EEHH) und Windenergy Network (WEN) milliardenschwere Investitionen in Schwerlast-Terminals und hat auch einen Vorschlag für die Finanzierung.

Ambitionierte Ausbauziele treffen auf massiven Mangel an Hafenkapazitäten
Während sich die niederländischen und dänischen Häfen Eemshaven und Esbjerg in den vergangenen Jahren stark auf den Offshore-Wind-Bereich ausgerichtet und den deutschen Häfen auch große Marktanteile abgenommen haben, haben sich letztere verstärkt anderen Geschäftsfeldern zugewandt. Mit Blick auf die gesamteuropäischen Ausbauziele ist ein weiter verstärkter Zugriff auf die Häfen jedoch stark zu erwarten. Die Kapazitäten werden aber auch bei den ausländischen Häfen nach Einschätzung von Offshore-Stiftung, WAB, EEHH und WEN voraussichtlich ab 2027 nicht mehr ausreichen, um den deutschen Ausbau ausreichend unterstützen zu können.

Bei fehlender Verfügbarkeit ausländischer Hafenkapazität könnten so bis 2029 bis zu 200 ha schwerlastfähiger Hafenflächen für den deutschen Offshore-Wind-Ausbau fehlen, 2027 immerhin bereits 50 Hektar. Dazu werden in den kommenden Jahren Investitionen im Milliardenbereich gebraucht. Das zeigt die Offshore-Stiftung in einer jetzt veröffentlichten Analyse.

Neben der Frage, ob überhaupt ausreichend Flächen für die Offshore-Windenergie in den Seehäfen verfügbar gemacht werden können, stehen die Frage der Finanzierung sowie der föderalen Zuständigkeiten im Fokus. Für die Häfen sind qua Grundgesetz die Länder verantwortlich, diese können und wollen jedoch nicht die ganze Last tragen. Da der Ausbau der Windenergie auf See Bundesangelegenheit ist, stellt sich nach Einschätzung der Branchen-Organisationen zwangsläufig die Frage nach einem stärkeren Engagement des Bundes.

Zusätzliche “No-Regret“-Hafenfläche von 60 - 120 Hektar dauerhaft erforderlich
Für die notwendige Re-Fokussierung der deutschen Häfen auf den Offshore-Wind-Bereich benötigen diese nun umgehend finanzielle Zusagen und Planungssicherheit. Insbesondere der Ausbau-Peak 2029/30 stellt investitionsplanerisch dabei laut WAB, EEHH, WEN und Offshore-Stiftung eine große Herausforderung dar, da in diesen Jahren bis zu dreimal so viel zugebaut werden soll, wie in den Jahren danach. „Vor diesem Hintergrund haben wir eine „No-Regret“-Fläche von 60 - 120 Hektar definiert, von der wir ausgehen, dass diese in jedem Fall dauerhaft gebraucht wird. Die Kosten liegen hier bei 600 Mio.-1,2 Mrd. Euro. Dabei gilt es nochmals zu betonen, dass es sich hier um die minimalen Langfristbedarfe für den Neubau von Offshore-Windparks handelt“, so Stiftungsgeschäftsführerin Karina Würtz. Weitere Bedarfe im Bereich Erneuerbare Energien, beispielsweise durch eine entstehende Wasserstoffwirtschaft oder die Onshore-Windenergie, die einen Großteil ihrer Komponenten über die Seehäfen bezieht, seien noch nicht enthalten.

Geänderter Verteilschlüssel von Offshore-Auktionen macht Finanzierung möglich
Angesichts der aktuellen Haushaltsschwierigkeiten der Bundesregierung infolge des Urteils des Bundesverfassungsgerichtes bietet nach Einschätzung der Branchen-Organisationen eine Anpassung des Verteilschlüssels für die Erlöse aus den Auktionen für nicht-voruntersuchte Offshore-Wind-Flächen einen Ansatzpunkt für die Bereitstellung der für den Hafenausbau erforderlichen Finanzmittel.

Nach aktueller Gesetzlagen gehen 90 Prozent der Einnahmen, die der Staat über die Auktionen von Offshore-Wind-Flächen in Nord- und Ostsee einnimmt, in die zukünftige Senkung der Offshore-Stromkosten für Wirtschaft und Verbraucher, 5 Prozent in den Naturschutz, weitere 5 Prozent in die nachhaltige Fischerei.

In den Auktionen 2023 zahlten die Unternehmen insgesamt 12,7 Mrd. Euro. 5 Prozent bedeuteten hier also 670 Mio. Euro. Sollten 2024 wieder ähnliche Summen erzielt werden, würden bereits 5 Prozent den zusätzlichen Flächenbedarf bis 2027 gegenfinanzieren können, 10 Prozent gar die ganzen 120 Hektar der „No-Regret-Fläche“, so die vier Branchen-Organisationen.

In der Verteilung den 90 Prozent-Anteil der Offshore-Netzumlage zu senken und stattdessen in den Offshore-Erneuerbaren-Ausbau zu investieren, wäre ein eleganter, schneller und zielgerichteter Weg. Eine bessere Chance gebe es nicht. Hier sei jetzt das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefragt, Anpassungen am Windenergie auf See-Gesetz vorzunehmen, so WAB, EEHH, WEN und Offshore-Stiftung.


© IWR, 2023


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04.12.2023

 



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