Deutschlands größte eSAF-Anlage: 350 Millionen Euro für Produktion von nachhaltigem Flugkraftstoff in Schwedt
© Angela RegenbrechtSchwedt/Oder – Im Rahmen der Verkehrswende ist der Luftverkehr einer der am schwersten zu dekarbonisierenden Sektoren. Nachhaltige Flugkraftstoffe wie eSAF gelten als praxisnaher Hebel, um Emissionen im Flugverkehr kurzfristig und im industriellen Maßstab zu senken. Deutschland und das Land Brandenburg setzen nun mit einem starken Förderbekenntnis ein Ausrufezeichen.
Deutschlands größte Produktionsanlage für nachhaltige Flugkraftstoffe soll in Schwedt/Oder entstehen. Bund und Land Brandenburg fördern das Projekt „Brandenburg eSAF" (ehemals Concrete Chemicals) mit insgesamt 350 Millionen Euro. Ab 2030 soll die Anlage ein Viertel des deutschen eSAF-Bedarfs decken. Enertrag und Zaffra wollen auf dem Gelände der PCK-Raffinerie in Schwedt eine industrielle eSAF-Produktionsanlage mit einer Jahreskapazität von über 30.000 Tonnen errichten. Das Gesamtinvestitionsvolumen übersteigt 500 Millionen Euro. Mit der offiziellen Übergabe des Förderbescheids nehmen Zeitplan und Finanzierung nun konkrete Gestalt an.
350 Millionen Euro für klimaneutralen Flugkraftstoff im Industriemaßstab
Auf dem Gelände der PCK-Raffinerie in Schwedt/Oder soll ab 2030 Deutschlands größte Anlage zur Produktion von Electric Sustainable Aviation Fuels (eSAF) in Betrieb gehen. Den Startschuss gab die offizielle Übergabe des Förderbescheids durch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke. Bund und Land fördern das Vorhaben gemeinsam mit 350 Millionen Euro – der Bund trägt 245 Millionen, das Land Brandenburg 104 Millionen Euro. Das Gesamtinvestitionsvolumen beläuft sich auf mehr als 500 Millionen Euro.
Die Anlage wird von Enertrag und Zaffra – einem Joint Venture von Topsoe und Sasol – errichtet und soll jährlich mehr als 30.000 Tonnen eSAF produzieren. Das entspricht einem Viertel der deutschen eSAF-Beimischquote, die die europäische ReFuelEU Aviation-Verordnung ab 2030 vorschreibt. Gegenüber fossilen Kraftstoffen verursacht der so produzierte Flugkraftstoff mehr als 90 Prozent weniger CO2-Emissionen.
Brandenburg eSAF leistet darüber hinaus einen Beitrag zur Energiesouveränität Deutschlands: Indem lokal erzeugter erneuerbarer Strom vor Ort zu Flugkraftstoff veredelt wird, reduziert das Projekt die Abhängigkeit von volatilen Öl-Importen und stärkt heimische Versorgungsketten. Der Standort Schwedt, dessen Raffinerie historisch auf Rohölimporten basierte, wandelt sich damit schrittweise zu einem Knotenpunkt grüner Energieproduktion.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche: „Es kommt jetzt darauf an, die Energieversorgung in der PCK und der Region dauerhaft zu stabilisieren, Wachstumspotenziale gezielt zu stärken und neue Investitionen anzustoßen. Das von uns geförderte Projekt „Brandenburg eSAF“ ist dafür ein zentraler Baustein: Es verbindet industrielle Stärke mit Innovation, erschließt neue Wertschöpfungsketten und eröffnet langfristige Perspektiven für Beschäftigung, Wohlstand und Versorgungssicherheit.“
Ministerpräsident Dietmar Woidke unterstrich die regionale Bedeutung: „Brandenburg war, ist und bleibt Vorreiter für neue Antriebstechniken, auch in der Luftfahrt."
Brandenburgs Wirtschafts- und Energieministerin Martina Klement betonte die strategische Dimension: „Mit dem Brandenburg eSAF-Projekt investieren wir zum richtigen Zeitpunkt entschlossen in die Zukunft unseres Industriestandorts. Der Wandel hin zu grüner Industrie gelingt nicht gegen die bestehenden Industrieregionen, sondern mit ihnen."
Technologie, Rohstoffe und Wertschöpfung aus der Region
Das Produktionsverfahren kombiniert grünen Wasserstoff mit biogenem CO2 über das Fischer-Tropsch-Verfahren. Zaffra bringt dafür seine G2L-eFuels-Plattform ein, die Sasols Fischer-Tropsch-Synthese mit Topsoes eREACT-Technologie verbindet. Enertrag liefert die Expertise für die Wasserstoffelektrolyse. Das benötigte CO2 steuert LEIPA Georg Leinfelder bei, ein in Schwedt ansässiger Papierhersteller. Der grüne Wasserstoff wird überwiegend über das H2-Kernnetz – die FLOW-Pipeline von Gascade – bezogen, ergänzt durch eine standorteigene Elektrolyse.
Jan Toschka, CEO von Zaffra, sieht in dem Projekt Vorbildcharakter: „Zaffra bringt die Technologie, Enertrag die erneuerbare Energie, Schwedt die Infrastruktur. Gemeinsam schaffen wir hier eine Blaupause für die europäische eSAF-Industrie."
Dr. Gunar Hering, CEO von Enertrag, hebt die regionale Verankerung hervor: „Brandenburg eSAF verbindet, was zusammengehört: erneuerbare Energie aus der Region, industrielle Tradition in Schwedt und den klaren politischen Willen von Bund und Land."
Neben dem Klimaschutzaspekt verspricht das Projekt erhebliche wirtschaftliche Impulse für die strukturschwache Region: Rund 150 dauerhafte Arbeitsplätze entstehen am Standort, in der Bauphase werden bis zu 1.500 Arbeitsplätze in der Region erwartet. Die Ingenieursstudien für den Anlagenbau wurden im April 2026 an die Griesemann Gruppe vergeben. Die finale Investitionsentscheidung ist bis Ende 2027 geplant, der Produktionsstart für 2030 anvisiert.
© IWR, 2026
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